Kein Ziel verfolgen, Gastbeitrag: Interview mit Frau Christiane Hecker und Dr. Frank Frick (Wissenschaftsjournalist)

Christiane Hecker ist Musiktherapeutin und Kreative Leibtherapeutin. Sie arbeitet auf einer Palliativstation und in zwei Hospizen in Hannover.

Was brauchen Sterbenskranke?

Sie benötigen zunächst einmal eine rundum gute pflegerische Betreuung, so dass es etwa nicht zum Wundliegen kommt. Viele Patienten, beispielsweise die Krebskranken, brauchen eine professionelle palliative medizinische Behandlung, zu der unter anderem eine Schmerztherapie auf höchstem Niveau gehört. Außerdem brauchen Sterbenskranke andere Menschen – Angehörige und ehrenamtliche Sterbebegleiter –, die liebevoll, warmherzig und empathisch sind. Wichtig ist, dass diese Menschen das Leiden des Sterbenden aushalten können.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 2: Atmosphären der Gewalt und Rohheit

Oft mündet die Gefühllosigkeit in offene Gewalt, manchmal schafft sie eine Beziehungsatmosphäre, die von anderen als gewalttätig empfunden wird:

Beim Einzug einer alten Frau ins Pflegeheim sind der begleitenden Schwiegertochter sowohl die Anstrengungen als auch die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben.

Sie sei „mit den Nerven am Ende“ und halte das ständige Tyrannisieren nun nicht mehr aus. „So geht das schon mein ganzes Leben. Vom ersten Tag unseres Kennenlernens hat meine Schwiegermutter mich schikaniert. Nichts, aber auch rein gar nichts konnte ich ihr recht machen. Verzeihen Sie, aber ich habe sie heimlich immer “alte Hexe” genannt. Jetzt sieht es auch mein Mann ein: Sie hat unsere Ehe immer belastet. Ich kann nicht mehr … wir müssen Mutter abgeben.“ Und sie erzählt, dass sie nie ein Wort der Anerkennung erhalten hat. “Selbst als ich selber krank war, wurde ich herumkommandiert. Ich war ihr völlig egal.” Und dann, mit leiser Stimme und der Pflegerin zugewandt: “Passen Sie auf! Die ist nämlich böse!”

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Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 3: Ungleichbehandlung: „Ich war immer schon das Aschenputtel …“

„…Eine andere Tochter berichtet, dass sie auf ihre Berufstätigkeit verzichtet habe, um ihre Mutter liebevoll pflegen zu können. Ihre Familie sei zusammengerückt, um Platz für die Mutter und Großmutter zu haben. „Das haben wir gerne getan. Das war irgendwie selbstverständlich für uns. Aber nun … Meine Mutter nimmt alles so selbstverständlich, niemals ein Dank, selten ein Lächeln. Aber wehe, wenn meine Schwester kommt, einmal jährlich. Dann ist große Aufregung. Dann muss ich alles vorbereiten, einkaufen, kochen, damit es meiner Schwester gut hat. Das verlangt meine Mutter mit unglaublicher Härte von mir. Sie dankt meiner Schwester überschwänglich für jede Kleinigkeit: dass sie den Tisch abräumt, überhaupt, dass sie den weiten Weg kommt usw. usw. Ich bin dann noch mehr Dienstmädchen als sonst. Meine Familie ist dann richtig sauer mit mir, dass ich das mit mir machen lasse. – Ich habe mir jetzt mal vorgenommen, meiner Schwester wenigstens zu sagen, wie es ist. Vielleicht bekomme ich wenigstens von ihr dann nicht mehr nur weiter gute Ratschläge aus der Entfernung, sondern mal ein bisschen Anerkennung für meine Leistung. Ich brauche das, sonst komme ich bald um vor Neid und Missgunst – die ich doch gar nicht haben will.“

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit Teil 1: Solidarität und Achtsamkeit

Menschen, die unter Aggressivität und Gewalttätigkeit leiden oder von ihr bedroht sind, brauchen Solidarität. Alleinsein produziert Hilflosigkeit und kann sie verewigen. Was heißt Solidarität mit Pflegenden? Sie muss mehr sein als eine Proklamation oder ein Satz in Leitbildern einer Einrichtung. Sie muss tätige Unterstützung beinhalten und die Atmosphäre bestimmen.

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Demenz-Code Teil 2: Die zwei Zeiterleben

Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Es gibt die objektive Zeit, die in Sekunden, Minuten, Stunden usw. zu messen ist. Und es gibt das Zeiterleben, das subjektiv ist und je nach Individuum und Situation unterschiedlich erfahren wird. Ein Arbeitstag kann für den Einen „wie im Flug“ vergehen und für einen Anderen „quälend langsam“.

Das Zeiterleben der meisten Menschen mit Demenz ist bedeutend langsamer als das derjenigen, die sie begleiten.

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Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 2 : „Die nimmt jetzt so richtig Rache an mir …“

„Die nimmt jetzt so richtig Rache an mir“, erzählt ein pflegender Angehöriger mit leiser, zittriger Stimme, in der neben Traurigkeit auch unterdrückter Zorn mitklingt. „So empfinde ich das, glauben Sie mir!“ Die beiden Ehepartner haben sich versprochen, dass sie im Alter die Pflege füreinander, so gut sie können, übernehmen wollen. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Frau pflegen will. Aber er leidet unter alten Beziehungsmustern mit umgekehrten Vorzeichen. Weiter lesen

Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 1: Warum Roheit?

Wir Menschen haben alle die grundsätzliche Fähigkeit des Mitgefühls. Wir können uns in das Leiden anderer Menschen hineinversetzen. Wir sind so in der Lage, deren Schmerz zu spüren. In bildgebenden Verfahren haben Neurobiolog/innen zeigen können, dass dabei spezialisierte neuronale Systeme im Gehirn aktiv sind. Die Teilsysteme im Gehirn, die das Mitgefühl ermöglichen, werden Spiegelneuronen genannt.

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Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 1: Der Machtkampf und die Erniedrigung: „… du musst das für mich tun.“

Wenn pflegebedürftige Menschen in ihren Familien aggressiv oder sogar gewalttätig werden, dann werden solche Erfahrungen von den Angehörigen oft als besonders schmerzlich, kränkend und verletzend erlebt. Dieses besondere Ausmaß liegt sozusagen in der „Natur“ der Familienbindungen. Die lange gemeinsame Lebensgeschichte birgt in sich die große Chance, die Abschiedsphase eines gemeinsamen Lebens im liebevollen Miteinander geborgenen und würdigend zu verbringen. Und die besondere Nähe und Vertrautheit macht die Verletzlichkeit besonders groß und den seelischen Schmerz und die Kränkung besonders tief.

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Demenz Code Teil 1: Erst die Sinne, dann die Resonanz, dann die Worte

Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Frau F. wiederholt einen Satz, immer wieder und kaum verständlich. Die Pflegekraft versucht, genau hinzuhören, und versteht: „Die Milch ist angebrannt.“ Mit dem Satz kann die Pflegerin nichts anfangen. Sie versteht nicht, was er bedeuten könnte. Doch sie nimmt die Sinnesäußerungen von Frau F. wahr: Deren Augen flackern hin und her, der Klang des Satzes ist scheu und ängstlich, die rechte Hand bewegt sich fahrig und zitternd auf dem Oberschenkel hin und her.

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Validation und leiborientierte Arbeit mit Gefühlen Teil 2

Leiborientierter Umgang mit Gefühlen nach dem SMEI-Konzept geht in folgenden Punkten über die Validation hinaus:

  • Wir reagieren nicht nur auf die sichtbaren Gefühle, sondern identifizieren den emotionalen Subtext von Gefühlen bzw. Verhalten demenzkranker Menschen.  Wir gehen davon aus, dass nur eine Reaktion, die sich auch auf den Subtext bezieht, Kontakt schafft und Veränderungen bewirkt. Wenn ein alter Mann aggressiv über das Essen schimpft, dann ist es notwendig, nicht nur auf das aggressive Gefühl zu reagieren, sondern auch auf die in diesem Fall zugrunde liegende Hilflosigkeit, dass er heute nicht selbst sein Brot schmieren kann. Nur wenn wir auch auf die Hilflosigkeit reagieren, können wir Begegnung schaffen und helfen.

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