G20: Macht die Fernseher aus!

Ich schreibe dies am Vormittag des 8.7. angesichts der Gewaltbilder aus Hamburg. Dass es viel zu protestieren gibt, teile ich. Dass die Gewalt gegen die Polizei, gegen die Autos und Fahrräder der Anwohner, gegen die Drogerien und Supermärkte, die geplündert wurden, menschenverachtend ist, damit werde ich mich mit fast allen, die dies lesen, einig sein.

Mich treibt um, dass auf den meisten Gewaltbildern, die im Internet zu sehen sind, im Hintergrund und an den Seiten Reporter und Fotografen zu sehen sind. Die Gwalttäter schimpfen auf die Medien und gleichzeitig wollen sie in die Medien und die friedlichen Proteste überdecken. Und die Medien bieten ihnen die Bühne dafür. Das ist ärgerlich. Das ist widerlich. Das möchte ich nicht sehen, weder im Fernsehen noch im Internet.

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Validation und leiborientierte Arbeit mit Gefühlen Teil 1

Die Validation wurde von Naomi Feil begründet. Ihr großer und bleibender Verdienst besteht darin, dass sie die Würdigung der Gefühle in der Altenhilfe und v. a. in der Arbeit mit Menschen mit Demenz thematisierte. Ihr fiel auf, dass das Gedächtnistraining, das damals als einzige Hilfe für Demenzkranke praktiziert wurde, an deren Gefühlen vorbei geht und sogar noch die Scham und Unsicherheit verstärken kann, indem es die Beteiligten immer wieder mit ihren Unzulänglichkeiten konfrontiert.

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Angehörigenarbeit Teil 6: Grenzen setzen gegen Entwürdigung

Wie schon beschrieben wird Angehörigen alter Menschen, die möglicherweise in eine Einrichtung einziehen, viel Aufmerksamkeit während des Entscheidungsprozesses geschenkt. Wenn die alten Menschen dann zu Bewohner/innen geworden sind, erlischt oft das Interesse aus Zeitgründen und aufgrund einer kurzsichtigen Haltung. Denn die Angehörigen sind nicht nur Kunden, die darüber entscheiden, ob ihr Vater oder ihre Partnerin in ein Heim einzieht. Sie bleiben Kunden auch während der Aufenthaltsdauer in der Einrichtung. Und was an Kosten in der Betreuung und Begleitung von Angehörigen gespart wird, muss an anderer Stelle aufgewendet werden.

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Angehörigenarbeit Teil 5: Die Triangel

Wenn zwei Menschen sich unmittelbar auseinandersetzen, kann dies zu Konflikten oder zu Stillstand führen. Wie bei vielen Konflikten zwischen Angehörigen und Pflegenden wiederholen sich Vorwürfe, wiederholen sich Verletzungen, wiederholen sich sogar ganze Sätze und Worte. Wenn beide Seiten sich aber einem Dritten zuwenden und gemeinsam etwas tun, entsteht ein Dreieck, entsteht eine Triangel und beide Seiten können durch das gemeinsame Handeln anders als zuvor miteinander kommunizieren. Dieser Ansatz kann in der Begleitung mancher Angehöriger erfolgreich eingesetzt werden.

Ein Beispiel:

In einer Einrichtung wird eine Ausstellung vorbereitet mit dem Titel „Frauen dreier Generationen“. Es werden Fotos ausgesucht, die gerahmt und gezeigt werden sollen. Angestrebt ist, jeweils ein Foto einer Bewohnerin und ein Foto von deren Tochter und, wenn möglich, ein Foto von einer Enkelin zu finden und nebeneinander zu zeigen. Die Ausstellung wird schließlich ein großer Erfolg und man sieht in der Reihe der Fotos Ähnlichkeiten, Zusammenhänge, Unterschiede. Die Ausstellung stößt auf großes Interesse – in den Medien, bei den Bewohnern und Bewohnerinnen und auch bei den Angehörigen.

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Angehörigenarbeit Teil 4: Der Anfang

In vielen Einrichtungen der stationären Altenhilfe sind die Angehörigen wichtig, denn sie sind Kunden und entscheiden darüber, ob alte Menschen als Gäste in ein Heim kommen. Da gibt es besondere Termine, Gespräche mit Heim- oder Pflegedienstleitung, Hausführungen und andere Bemühungen. Da fällt die Entscheidung über die Heimunterbringung, die neue Bewohnerin oder neue Bewohner erhält einen freundlichen Empfang – und dann pausiert meistens die Beschäftigung mit den Angehörigen. Sie erhalten vielleicht noch einen Fragebogen zur Biografie der Bewohnerin, des Bewohners, der die pflege erleichtern soll. Doch das ist es. Die Beziehungsqualitäten zwischen den neuen Bewohner/innen und den Partner/innen oder Kindern bleiben außen vor. Doch sie zeigen sich, sie machen sich in Störungen und Dramen bemerkbar, wie die obigen Beispiele und viele andere zeigen.

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Angehörigenarbeit Teil 3: Schuld, Liebe , Hass…..was tun?

Wie ist damit umzugehen? SMEI verfolgt den Ansatz, zu würdigen, was ist. Alles ist zu würdigen – auch die Gefühle, auch die Gefühle im Subtext, die verborgen und unausgesprochen bleiben. Deswegen ist zunächst einmal wichtig zu verstehen, dass es hier um emotionale Beziehungsqualitäten geht, um Gefühle, die sich in diesen Beziehungen „austoben“. Und auf Gefühle muss emotional reagiert werden. Gefühle brauchen andere Gefühle, zumindest auch.

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Angehörigenarbeit Teil 2: Schuld, Liebe, Hass….-erkennen

Beginnen wir mit dem ersten Beispiel. In vielen Eltern-Kind- und manchmal auch Partnerschaftsbeziehungen existieren ungelöste, unausgesprochene und unbewältigte Konflikte. Wenn eine Tochter sexuelle Gewalt erfahren hat und der Vater nun im Altenheim ist, sind keine innigen Beziehungen zu erwarten. Wenn jemand in seiner Kindheit oft geschlagen wurde oder auch später missachtet oder verachtet wurde, wie soll da Würdigung und Liebe im Alter entstehen?

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Angehörigenarbeit Teil 1: Das Problem

Angehörigenarbeit ist ein notwendiger integraler Bestandteil der Altenhilfe. Offene Altenarbeit erfolgt fast nur, indem Angehörige ihre Eltern oder Partner/innen zu Aktivitäten der offenen Altenarbeit begleiten. In der Tagespflege  und in stationären Einrichtungen werden Pflegende täglich mit Angehörigen konfrontiert. Die Angehörigenarbeit ist in den meisten Einrichtungen Aufgabe der sozialen Dienste. Angehörigenarbeit ist notwendig. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste Grund besteht darin, dass Angehörige Kunden sind und die Beiträge für die Pflege und Unterbringung ganz oder teilweise aufwenden. Der zweite Grund besteht darin, dass die zu pflegenden Menschen auch oft die Nähe und Begleitung Angehöriger angewiesen sind. Die Angehörigen mit einzubeziehen und sich um sie zu kümmern, ist daher ein soziales und ethisches Anliegen. Der dritte Grund besteht darin, dass der Kontakt mit Angehörigen für Mitarbeiter/innen der Altenhilfe oft sehr große Probleme aufwirft. Diese gilt es genauer zu betrachten.

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Die Triangel

Manchmal sind unmittelbare Ich-Du-Begegnungen mit alten Menschen schwierig.

Ein Beispiel:

Die Sozialpädagogin Frau M. mag Erna F. und doch „kommt sie nicht an sie heran“. Sie sagt: „Immer wenn mich Frau F. sieht, flackert etwas in ihr auf und dann wird ihr Blick ganz leer und sie schaut mich nicht mehr an oder sie schaut mich an und dahinter läuft ein anderer Film. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Vermutlich ist irgendetwas an der Sozialpädagogin, das Erna F. an eine andere Person erinnert, irgendein Trigger, vielleicht das Lächeln, vielleicht die Augen, vielleicht die Haarfarbe, vielleicht ein Klang in der Stimme, etwas, was die Kollegin nicht verändern kann. Dieser Auslöser führt zu einer Übertragung oder wird ein Trigger zu einem bestimmten Krisen- oder Belastungserleben, das bei Erna F. dazu führt, dass sie sich aus dem Kontakt zurückzieht. Frau M. ist hilflos.

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Fach-Professionalität und Herz-Professionalität aus dem Buch „Edition Alter und Würde“ Band 1: SMEI – Sensomotorische erlebenszentrierte Interaktion

Die Haltung, die allen SMEI-Methoden zugrunde liegt, ist professionell. Doch darunter ist mehr als das Umsetzen gelernten Wissens und das Handhaben erworbener Kompetenzen zu verstehen. Wir unterscheiden zwischen zwei Hauptaspekten der Professionalität:

Betrachten wir ein Beispiel. Der Altenpfleger Stefan H. bekommt mit, wie eine alte Frau im Heim eine Altenpflegeschülerin wüst beschimpft und nach ihr schlägt. Seine Kollegin ist wie erstarrt und regt sich nicht. Stefan H. geht dazwischen und sagt der alten Frau: „Stopp! Schlagen Sie nicht nach meiner Kollegin. Das ist nicht in Ordnung und das will ich nicht.“ Die alte Frau, die dement ist, reagiert darauf und hört auf zu schimpfen und zu schlagen. Ja, sie schaut ein wenig erschrocken und schuldbewusst, was sie da getan hat, eine Reaktion, der wir in solchen Situationen oft bei Menschen mit Demenz begegnen.

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