SERIE Demenz und geistige Behinderung (3): Besondere Einrichtungen?

Es wird viel darüber diskutiert, ob es sinnvoll oder notwendig ist, für Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz besondere Einrichtungen bzw. Wohngruppen zu schaffen. Ich bin der Auffassung, dass dies teilweise notwendig sein kann und ist, aber nicht zur Regel werden sollte.
Der erste Grund dafür besteht darin, dass die Diagnose so schwierig ist und bei vielen unsicher bleibt.
Der zweite Grund: Die meisten Menschen mit geistigen Behinderungen und Demenz und deren Angehörige wollen so viel Geborgenheit wie möglich. Also wollen sie nicht in eine andere Einrichtung, ein anderes Haus umziehen. Ein Demenz-Haus oder eine Demenz-Wohngruppe innerhalb der Einrichtung schwächt die Belastung durch den Wechsel ab. Doch auch hier sollte dem Rechnung getragen werden, dass die Menschen so lange wie möglich in geborgenen und damit vertrauten Umgebungen bleiben dürfen sollten.

Der Hauptgrund für eine Wechsel in eine besondere Wohneinheit für Menschen mit geistiger Behinderung und Demenz besteht darin, dass die bisherigen Betreuungswege nicht mehr haltbar und zumutbar sind. Die meisten Zugänge zu besonderen Einrichtungen kommen nicht aus Institutionen, sondern aus den Familien, weil sie nicht mehr mit der besonderen Problematik und dem gestiegenen Betreuungsaufwand fertig werden.

Ergänzend sind mir noch zwei Hinweise wichtig:

Übergänge

Falls ein Umzug in eine Demenz-Wohngruppe notwendig wird, sind die Übergänge wichtig. Sie dürfen nicht abrupt sein, sondern sollten zelebriert werden. Es darf nicht als „Abschieben“ gefühlt werden, eher als besonderes Angebot.

Wichtig sind auch die Brücken-Funktionen der Betreuenden: neue Mitarbeiter vorher kennenlernen, mit alten in Kontakt bleiben (wenn die Trauer nicht zu groß ist). Auch Bilder, Wohngegenstände usw., die vertraut und geliebt sind, sollten mitgenommen werden dürfen und können so den Übergang erleichtern.

Hospiz/palliative Versorgung

Da demenzielle Entwicklung bei Menschen mit geistigen Behinderungen meist sehr spät zu erkennen sind und sich der Demenzverlauf bei vielen (nicht allen!) beschleunigt vollzieht, kann eine besondere Einrichtung unter Umständen einen Hospizcharakter erhalten. Dadurch erhält die palliative Versorgung erhöhtes Gewicht. Dem muss durch die Personalkompetenzen Rechnung getragen werden.

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About Udo Baer

Dr. phil. (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Mitbegründer und Wissenschaftlicher Berater der Zukunftswerkstatt therapie kreativ, Wissenschaftlicher Leiter des Instituts für soziale Innovationen (ISI) sowie des Instituts für Gerontopsychiatrie (IGP), Vorsitzender der Stiftung Würde, Mitinhaber des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB), Autor

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