„Ich habe meine Mutter verraten“

 

 

 

In einem Beratungsgespräch beginnt eine Frau bitterlich zu weinen. Sie sagt: „Meine Mutter ist dement und ich habe ihr versprochen, dass sie immer bei mir bleiben kann. Ich habe sie jetzt acht Jahre gepflegt, aber irgendwie geht es jetzt nicht mehr. Sie musste ins Heim. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Jetzt schaut sie mich immer, wenn ich sie besuche, sehr vorwurfsvoll an. Sie spricht kaum noch mit mir …“

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Am 30.11.2021 erscheint ein neues Buch von Udo Baer und Gabriele Frick-Baer: Therapie und Würde – Sprachleib, Würde-Achtsamkeit, Bedeutungsüberhang… Kreative Leibtherapie Band 3

Sprachleib, Würde-Achtsamkeit,Bedeutungsüberhang …

Das Themenspektrum dieses Buches erstreckt sich von der Bedeutung der Sprache und der Poesie in der Zwischenleiblichkeit therapeutischer Begegnungen über das Konzept der Würde-Achtsamkeit sowie zentraler Begriffe wie dem großen UND bis zum Verständnis von Spiritualität im therapeutischen Kontext. Dieses Buch enthält Essays und Vorträge, die den Boden kreativ-leibtherapeutischer Arbeit erweitern, jeder und jedem für sich wertvolle Hilfen und Anregungen zu Themen würdigender Therapie anbieten und zur fachlichen und persönlichen Auseinandersetzung auffordern.

Ein Gewinn für alle, denen Würde ein zentraler Wert in der therapeutischen Theorie und Praxis ist.

 

Erscheinungsdatum: 30.11.2021
ISBN: 978-3-934933-58-3
Seiten: 210
Preis: 22 Euro

Vorbestellung: www.semnos.de

Nähe, Geborgenheit, Zärtlichkeit

 

 

Die Befragungen und Studien zeigen, dass im zunehmenden Alter Begegnungen der Nähe, der Zärtlichkeit und der Geborgenheit größere Bedeutung in den geschlechtlichen Beziehungen erhalten als im engen Sinn sexuelle Handlungen. Eine Schriftstellerin sagte: „Mehr Wärme, weniger Feuer!“

Als Hintergrund sind die unterschiedlichen Begrifflichkeiten „Körper“ und „Leib“ hilfreich zum Verständnis. Mit Leib wird in der Leib-Phänomenologie und Leib-Therapie der erlebende Mensch bezeichnet. „Leib“ stammt von „lib“ ab und bedeutet: Leben, lebendig … Der Körper kann Gegenstand, kann Objekt werden, behandelt, manipuliert, dressiert usw.

Das Körpererleben ist die Synthese beider Aspekte. In einem weiten, leiblichen Verständnis von Sexualität umfasst diese ein breites Spektrum von zärtlichen Berührungen und wärmenden Blicken bis zu sexuellen Höhepunkten. Offenbar wird für ältere Menschen der leibliche Aspekt der Sexualität immer bedeutsamer.

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Begegnung statt Aktionismus

Ich wollte letztens für November einen Termin für eine Veranstaltung in einem Altenheim vereinbaren. Ich hörte: „Das geht nicht. Da fangen schon die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeiern an.“ Der Januar war auch schlecht, weil es nach den Weihnachtsfeiern schon direkt in die Karnevalsaktivitäten überging …

Es ist schön, dass Weihnachtsfeiern und Karnevalsfeste stattfinden können. Doch manchmal reiht sich eine Veranstaltung an die nächste. So sehr ist das Bemühen vieler Menschen in der Altenpflege davon geprägt, den alten Menschen „etwas zu bieten“. Darunter wird vor allem eine Vielzahl von Aktivitäten verstanden: Ausflüge, Feste, Veranstaltungen, Feiern und dergleichen mehr. Für manche alten Menschen ist dies gut und trifft ihre Bedürfnisse, für andere nicht. Manche wollen einfach nur ihre Ruhe. Wenn ich müde und krank bin und jemand zu mir kommt und zum dritten Mal eine „Zehn-Minuten-Tisch-Aktivierung durchführen“ möchte oder mich begleitet, ohne dass ich mich wehren kann, zu einer Veranstaltung, die ich eigentlich gar nicht mag und die mich überfordert, dann würde ich wahrscheinlich aggressiv werden.

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Stopp der Gewalt und Grenzverletzung

 

 

Die Intimität und das Recht auf deren Schutz sind für jede Frau und jeden Mann von Bedeutung. Viele Menschen, die in der Altenhilfe begleitet werden, haben traumatisierende Gewalt erfahren. Befragungen haben ergeben, dass rund 10% der Menschen in ihrer Kindheit sexuelle Gewalt erfahren haben. Dann kommen diejenigen hinzu, die solche Erfahrungen als Erwachsene machen mussten, und es gibt eine enorme Dunkelziffer. In der Altenhilfe muss davon ausgegangen werden, dass ein Drittel der Frauen sexuelle Gewalt erfahren hat.

Wenn diese Frauen (und auch viele Männer) ähnliche Erfahrungen wie früher bei den Ereignissen sexueller Gewalt machen (männliche Pfleger, die nachts ins Zimmer kommen, Dunkelheit, fremdartige Geräusche im Flur, intime Berührungen, Erzählungen männlicher Bewohner, was sie im Krieg den Frauen angetan haben …), dann triggert dies und das alte Erleben wird lebendig und ruft Reaktionen wie Angst, Schrecken, Erstarrung oder Flucht hervor.

Und auch in der Gegenwart erfahren Männer und Frauen, überwiegend Frauen, Grenzverletzungen. Verbale und körperliche. Die meisten von Menschen mit Demenz aus Unsicherheiten, Verwechslungen, Überforderungen. Andere erfolgen von Tätern und Täterinnen, die nicht dadurch zu besseren Menschen werden, dass sie pflegebedürftig bzw. dement werden. Für viele Pflegekräfte gehören Übergriffe und Gewalterfahrungen zum Alltag:

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Keine Prostitution

 

 

Worum es vielen Diskussionen in der Altenhilfe geht, ist vom Kern her die Förderung von Prostitution. Es ist richtig, die Dinge beim Namen zu nennen. Offiziell wird von „sexuellen Dienstleistungen“ gesprochen, Prostituierte nennen sich „Sex- und Life-Coach“, „Sexualassistenten“ oder „Sexualbegleiter“. Das sind Verbrämungen für gekauften Sex, den Einrichtungen der Altenhilfe vermitteln und möglichst sogar bezahlen sollen.

Unsere Haltung ist: Prostitution ist entwürdigend. Ganz egal, ob Menschen wie die meisten zur Prostitution gezwungen wurden, ob sie wie fast alle als Kind oder Jugendliche selbst Opfer sexueller Gewalt waren, ob die Prostitution aus Not und Armut ein Überlebensweg wurde oder, wie manche Prostituierte in Interviews behaupten, ihre Tätigkeit „freiwillig“ ausführen. Prostitution ist ein Tauschverhältnis Geld gegen Sex, Prostitution ist männliche Machtausübung.

Diese Position ist meine grundsätzliche Haltung. Auch wenn wir wissen, dass sich viele Menschen unterwerfen, dass es gekauften Sex auch in Ehen gibt, dass Prostitution nie verschwinden wird, solange es Macht, Gewalt und Armut gibt. Das zu wissen, bedeutet aber nicht, dass wir die prinzipielle und konkrete Ablehnung von Prostitution aufgeben. Sie darf nicht durch die Hintertür gefördert werden, verbrämt als „Sexualassistenz“ für alte Menschen.

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Stärkungsbrief 12 für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

 

Der Schutz vor Corona schränkt uns weiterhin ein und belastet viele in der Altenhilfe tätige Mitarbeiter*innen.
Wir nutzen die Zeit jedoch, um Ihnen auf diesem Weg, wöchentlich einen „Stärkungsbrief für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen“ von Dr. Udo Baer zu senden.

Der Link am Ende des Dokuments führt Sie zur PDF-Version des jeweiligen Stärkungsbriefes, auf der Seite des Institut für soziale Innovationen (ISI). Dort wurden die Stärkungsbriefe von Dr. Udo Baer unter dem Projekt „Upgrade“ veröffentlicht. Wir würden uns freuen wenn Sie die Stärkungsbriefe an betroffene Personen und Institutionen per Mail weiterleiten oder in ausgedruckter Form für Interessierte an Ihrem Arbeitsplatz auslegen würden.

Danke für Ihr Interesse. Bitte bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße
Ihr Udo Baer

Stärkungsbrief 12
für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

Ich will mein altes Leben zurück?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
dieser Stoßseufzer kam aus tiefster Seele. Er bezog sich auf die Arbeit in der Pflege und gleichzeitig auf das Familienleben. Vieles ist seit dem Ausbruch der Pandemie durcheinandergeraten, vieles kam dazu, an das man denken und das man organisieren muss, zu Hause und am Arbeitsplatz. Das ruft Sehnsucht hervor, dass bald „alles vorbei“ ist. Und das mobilisiert die nostalgische Sehnsucht nach dem, wie es früher war.

Doch die Pandemie hört nicht auf diese Sehnsüchte. Das Virus nutzt alle Nachlässigkeiten aus und wird uns alle noch eine längere Zeit beschäftigen und unser Leben beeinflussen. „Ich will mein altes Leben zurück!“ – das ist ein berechtigter Wunsch, der aber nicht so schnell in Erfül-lung gehen wird. Also gilt es zu trauern. Es ist traurig, dass manches nicht mehr so ist, wie zuvor. Es ist traurig, dass es Umstellungen und Überlastungen gibt. Es ist traurig, dass gewohnte Rituale und Verhaltensweisen, die Sicherheit und Halt gaben, nicht mehr gelten.

Trauer ist das Gefühl des Loslassens. Wenn wir trauern, verabschiedet sich unsere Seele von dem, was wir verloren haben. Entscheidend ist, dass wir Menschen nicht alleine trauern, sondern unseren Schmerz mit anderen teilen.

Dabei können wir mit anderen Menschen auch danach suchen, was uns denn geblieben ist und was anders geworden ist. Manchmal hilft das.
Link zum STÄRKUNGSBRIEF 12: PDF

Stärkungsbrief 10 für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

 

Der Schutz vor Corona schränkt uns weiterhin ein und belastet viele in der Altenhilfe tätige Mitarbeiter*innen.
Wir nutzen die Zeit jedoch, um Ihnen auf diesem Weg, wöchentlich einen „Stärkungsbrief für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen“ von Dr. Udo Baer zu senden.

Der Link am Ende des Dokuments führt Sie zur PDF-Version des jeweiligen Stärkungsbriefes, auf der Seite des Institut für soziale Innovationen (ISI). Dort wurden die Stärkungsbriefe von Dr. Udo Baer unter dem Projekt „Upgrade“ veröffentlicht. Wir würden uns freuen wenn Sie die Stärkungsbriefe an betroffene Personen und Institutionen per Mail weiterleiten oder in ausgedruckter Form für Interessierte an Ihrem Arbeitsplatz auslegen würden.

Danke für Ihr Interesse. Bitte bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße
Ihr Udo Baer

Stärkungsbrief 10
für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

Wie kann ich mit Hilflosigkeit und Unsicherheit umgehen?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
es gibt immer wieder Momente, in denen wir uns hilflos und unsicher fühlen. In den Belastungen, die durch Corona bzw. Covid-19 hervorgerufen werden, treten solche Gefühle häufiger auf als sonst. Vielleicht, weil Sie mehr helfen wollen, das aber nicht können. Vielleicht, weil die Unsicherheit anderer Sie ansteckt. Das ist normal. So geht es vielen, auch wenn die meisten nicht darüber sprechen.

Wenn Sie in einer beruflichen Situation starke Unsicherheit spüren, sollte dies ein Anlass sein, danach zu suchen, was Ihnen Sicherheit gibt. Das können Informationen oder unterstützende Ratschläge anderer sein. Doch oft hilft das nicht. Wenn Sie mit einem Mann sprechen, der unsicher ist, ob seine Mutter überlebt, können Sie keine Sicherheit vermitteln. Die Unsicherheit bleibt, in dem Angehörigen und in Ihnen. Da kann es helfen, sich dessen zu entsinnen, wie wir Menschen überhaupt innere Sicherheit erwerben.

Forschungen in der Entwicklungspsychologie haben gezeigt, dass dafür sichere Beziehungen entscheidend sind. Deshalb empfehlen wir, dass Sie bei stärkeren Unsicherheitsgefühlen überlegen, welchen Menschen Sie vertrauen (innerhalb und auch außerhalb des Arbeitsbereiches), bei welchen Menschen Sie sich sicher fühlen, wer Ihnen Sicherheit gibt. Tauschen Sie sich mit diesen Menschen aus. Teilen Sie Ihre Unsicherheiten. Sicherheit entsteht aus der Begegnung mit anderen Menschen.

Das gilt auch für den Umgang mit Hilflosigkeit. Das Gefühl der Hilflosigkeit hat einen Sinn. Es macht darauf auf-merksam, dass Sie Hilfe suchen sollten. Bei Menschen, die Sie schätzen und denen Sie vertrauen.

Es lohnt sich.

 

Link zum STÄRKUNGSBRIEF 10: PDF

Stärkungsbrief 9 für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

 

 

Der Schutz vor Corona schränkt uns weiterhin ein und belastet viele in der Altenhilfe tätige Mitarbeiter*innen.
Wir nutzen die Zeit jedoch, um Ihnen auf diesem Weg, wöchentlich einen „Stärkungsbrief für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen“ von Dr. Udo Baer zu senden.

Der Link am Ende des Dokuments führt Sie zur PDF-Version des jeweiligen Stärkungsbriefes, auf der Seite des Institut für soziale Innovationen (ISI). Dort wurden die Stärkungsbriefe von Dr. Udo Baer unter dem Projekt „Upgrade“ veröffentlicht. Wir würden uns freuen wenn Sie die Stärkungsbriefe an betroffene Personen und Institutionen per Mail weiterleiten oder in ausgedruckter Form für Interessierte an Ihrem Arbeitsplatz auslegen würden.

Danke für Ihr Interesse. Bitte bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße
Ihr Udo Baer

Stärkungsbrief 9
für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

Vom Zuviel und Zuwenig

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
kennen Sie es auch, dass Ihnen manchmal alles zu viel ist? Man sucht dann einen „Aus-Schalter“, findet ihn aber nicht. Wir haben dazu zwei Empfehlungen.
Die erste lautet: Nehmen Sie sich drei Minuten Zeit und schreiben Sie alles auf, was Ihnen gerade zu viel ist. Berufliches und Privates, alles durcheinander. Und dann wählen Sie einen Punkt aus, den Sie verändern wollen. Vielleicht, indem Sie um Unterstützung bitten, vielleicht dadurch, dass Sie sagen: „Ich schaffe das nicht.“ Oder indem Sie zu einer Anforderung „Nein“ sagen.
Noch hilfreicher ist die zweite Empfehlung. Wir haben die Beobachtung gemacht, dass es sinnvoll ist, nach den Umständen der Belastung zu fragen. Es kann sich aber auch lohnen, nach dem Gegenteil zu fragen: Was kommt zu kurz? Was ist zu wenig? Was vermisse ich? Einige Beispiele für Antworten:

  • „Dass meine Leistung anerkannt wird, in der Klinik und zu Hause.“
  • „Zärtlichkeit“
  • „Einfach mal einen freien Tag oder wenigstens einen halben haben, an dem ich nichts MUSS, sondern KANN und einfach ohne Pläne und Aufgaben in den Tag hinein lebe.“
  • „Mit meiner Tochter spielen.“
  • „Dass mir mal jemand Blumen schenkt.“ …

Sie werden Ihre eigenen Antworten finden. Vielleicht ergibt sich daraus eine Idee, etwas zu verändern. Manchmal kann man das „Zuviel“ reduzieren, indem man dem „Zuwenig“ mehr Raum gibt.

Link zum STÄRKUNGSBRIEF 8: PDF

Stärkungsbrief 8 für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

 

 

Der Schutz vor Corona schränkt uns weiterhin ein und belastet viele in der Altenhilfe tätige Mitarbeiter*innen.
Wir nutzen die Zeit jedoch, um Ihnen auf diesem Weg, wöchentlich einen „Stärkungsbrief für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen“ von Dr. Udo Baer zu senden.

Der Link am Ende des Dokuments führt Sie zur PDF-Version des jeweiligen Stärkungsbriefes, auf der Seite des Institut für soziale Innovationen (ISI). Dort wurden die Stärkungsbriefe von Dr. Udo Baer unter dem Projekt „Upgrade“ veröffentlicht. Wir würden uns freuen wenn Sie die Stärkungsbriefe an betroffene Personen und Institutionen per Mail weiterleiten oder in ausgedruckter Form für Interessierte an Ihrem Arbeitsplatz auslegen würden.

Danke für Ihr Interesse. Bitte bleiben Sie gesund.
Herzliche Grüße
Ihr Udo Baer

Stärkungsbrief 8
für Mitarbeiter*innen in der Altenpflege und anderen Gesundheitsberufen in den Zeiten von Covid-19

Wie geht Nähe mit Maske und ohne Berührung?

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
eine Mitarbeiterin aus einem Altenheim schrieb uns: „Es ist furchtbar, wenn jemand stirbt und niemand da ist, der die Hand halten kann. Ich versuche dann, so gut ich kann, wenigstens mit Schutzhandschuhen die Hand zu halten. Das ist nicht ideal, aber besser als gar nichts. Es hilft.“
Viele Menschen in Seniorenheimen und Krankenhäusern sind in Not. Und Menschen in Not brauchen Nähe. Wenigstens mit Handschuhen die Hand zu halten, ist ein Behelf. Doch alles, was Nähe bietet, und sei es nur ein bisschen, hilft. Probieren Sie aus, was möglich ist.
Nähe herzustellen gelingt auch über Ihre Stimme und über Ihre Blicke.

Sie kennen es bestimmt: Egal, welche Worte jemand sagt, werden Sie über den Tonfall wahrnehmen, ob Ihnen jemand nah ist oder ob es eine Distanz gibt. Sie können sicher sein, dass die Nähe, die Sie zu jemandem spüren, auch ankommt – über Ihre Stimme.

Und dass Blicke wichtig sind, wissen Sie auch. „Blicke können töten“, heißt es sprichwörtlich. Blicke können Abneigung, Verachtung, Missbilligung, Distanz vermitteln, aber auch Interesse, Zuneigung und Nähe. Wenn der Hauptteil des Gesichtes von einer Maske bedeckt ist, irritiert das manche Menschen. Sie schauen dann oft gar nicht hin, auch nicht in die Augen. Probieren Sie aus, bewusst anderen in die Augen zu schauen. Sie können dort Fragen sehen, ohne dass jemand spricht. Sie werden ein Lächeln erkennen, auch wenn die Mundpartie hinter einer Maske verborgen ist.

Sie können die Menschen, die Sie pflegen oder betreuen, auch auffordern, Ihnen in die Augen zu schauen, wenn Sie merken, dass sie durch die Schutzkleidung irritiert oder verunsichert sind. Versuchen Sie es.

Link zum STÄRKUNGSBRIEF 8: PDF