Würde und Demenz, Teil 2: Es geht um lebendige Beziehung

 

 

Dass alten Menschen der Würdigung bedürfen und dass die Würde in der Altenhilfe ein hohes Gut ist, wird allerorten verkündet. Doch was heißt das konkret? Was beinhaltet es, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu würdigen? Vier kleine Anmerkungen seien erlaubt:

2. Wer altert, verliert Menschen. Durch Krankheit und Gebrechlichkeit, Rückzug und Tod. Eine demenzielle Erkrankung verstärkt diesen Prozess. Menschen mit Demenz neigen zu Rückzug und Vereinsamung. Die Scham über die eigene Vergesslichkeit und Desorientierung, die Peinlichkeit der eigenen Unzulänglichkeiten produziert darüber hinaus das Bestreben, sich weniger zu zeigen, sich nicht mehr zuzumuten.

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Aus aktuellem Anlass: Medikamenten-Forschung: Und wieder eine Hoffnungsblase geplatzt

 

Seit Jahrzehnten wird intensiv daran geforscht, die Entwicklungsprozesse der Alzheimer-Erkrankung zu stoppen oder zu verlangsamen. Die Forschungen bezogen sich insbesondere darauf, die Verplaqungen (Beta-Amyloid-Ablagerungen), die für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden, zu bekämpfen.

Nun musste wieder eine große Studie mit dem Medikament Aducanumab, das große Hoffnungen geweckt hatte, abgebrochen werden. Es zeigte keine Wirkung.

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Agitiertheit, Teil 2: Agitiertheit bei demenziellen Erkrankungen

 

 

Jede demenzielle Erkrankung beunruhigt. Wer sich nicht mehr mit sich und der Welt zurechtfindet, wird verunsichert, wird „aus der Bahn“ geworfen. Das kann zu agitiertem Verhalten, ja zu Aggressivität führen. In der Unruhe äußert sich meist die Beunruhigung, dass nichts mehr so ist, wie es war. Wenn ein demenziell erkrankter Mensch mehrmals am Tag Menschen nicht wiedererkennt, von denen er spürt, dass er sie kannte, ja kennen sollte, dann ruft das meist Schamgefühle hervor und baut Spannung auf. Diese Spannung kann sich in agitiertem Verhalten entladen.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 8: Die Zukunft

 

 

Bei einer Demenz-Diagnose erscheint vielen Betroffenen und Angehörigen die Zukunft grau und düster. Man weiß, dass der Alltag immer schwieriger wird und dass die Krankheit fortschreiten kann. Das macht Angst. Und Angst verschließt die Augen. Umso wichtiger ist es, über die Zukunft zu reden. Wir haben schon erwähnt, dass viele Menschen Pläne und Wünsche haben, die auch mit einer demenziellen Erkrankung verwirklicht werden können. Wird darüber nicht geredet, können diese Wünsche nicht auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden.

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Würde und Demenz, Teil 1: Gewürdigt zu werden, ist ein Menschenrecht.

 

 

 

Dass alten Menschen der Würdigung bedürfen und dass die Würde in der Altenhilfe ein hohes Gut ist, wird allerorten verkündet. Doch was heißt das konkret? Was beinhaltet es, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu würdigen? Vier kleine Anmerkungen seien erlaubt:

1.
Menschen mit Demenz zu würdigen, bedeutet, die Betonung auf „Menschen“ zu legen und nicht auf „Demenz“. Ja, die vielfältigen Erscheinungsformen demenzieller Erkrankungen müssen erkannt, verstanden und beachtet werden. Doch die erkrankten Menschen sind nicht nur „dement“. Ihr Menschsein erschöpft sich nicht darin, sondern ist weit mehr als das. Sie lachen und glauben, sie lieben und schimpfen, sie kuscheln und sehnen sich … Sie leben vielfältige Aspekte ihres Menschseins. Manche anders als die andern, manche verstörend, manche irritierend. Sie machen Mühe, ja, auch viele andere menschliche Begegnungen bedürfen der Achtsamkeit und Mühe.

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Agitiertheit, Teil 1: Was beunruhigt unruhige alte Menschen? Was können Pflegende tun?

 

 

Viele alte Menschen, die Sie pflegen oder anderweitig begleiten, sind unruhig. Diese Unruhe geht in ihrer Intensität über Nervosität und alltäglichen Bewegungsdrang hinaus. Die betroffenen Menschen werden deshalb als „agitiert“ bezeichnet. Dieses Agitiertsein lässt sich von den Betroffenen nicht einfach abstellen und führt dazu, dass die Betroffenen und auch deren Umgebung darunter leiden. Das betrifft Angehörige wie professionell Pflegende.

Zeigen kann sich diese Unruhe in unterschiedlicher Weise. Manche Menschen laufen auf und ab, sofern sie das noch können. Andere reden vor sich hin. Manche bewegen sich hospitalisierend vorwärts und rückwärts oder nach rechts und nach links.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 7: Schuldgefühle

 

 

Wer krank ist, hat oft Schuldgefühle. Schuldgefühle sind häufig die große Schwester der Schamgefühle. Wer eine Demenz-Diagnose hört, hat häufig Schuldgefühle, anderen zur Last zu fallen. Um damit umgehen zu können, ist es wichtig zu wissen, dass bei den Menschen Schuldgefühle und Schuld nicht immer zusammengehören. Es gibt viele Menschen, die schuldig sind, aber keine Schuldgefühle haben. Auf der anderen Seite gibt es die Schuldgefühle der Opfer, die sich schuldig fühlen, ohne Schuld zu haben.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 8: Männliche und weibliche Solidarität

 

 

Da meistens Frauen Adressatinnen von Rohheit und Gewalt sind, braucht es männliche Solidarität v. a. für die Opfer sexueller Übergriffe. Wenn ein alter Mensch einer weiblichen Pflegekraft sexuelle Gewalt angetan hat, dann verstehen wir unter professioneller Solidarität, dass ein männlicher Mitarbeiter seine Kollegin unterstützt, zu der gewalttätigen Person hingeht und sagt: „Das machen Sie nie mehr mit meiner Kollegin, nie mehr. Sonst bekommen Sie es mit mir zu tun.“

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 6: Die Scham

 

 

Wenn jemand die Demenz-Diagnose erfährt, ist es wünschenswert, dass das Familiensystem und die Freunde und Freundinnen helfen können und dürfen. Doch oft begegnen wir genau an dieser Stelle der Scham. Die Betroffenen schämen sich, dass sie an Demenz erkrankt sind – und reden deshalb nicht darüber. Familienangehörige schämen sich ihres oder ihrer Erkrankten und vor allem schämen sich viele Menschen, hilfsbedürftig zu sein. Sich helfen zu lassen, haben sie nicht gelernt, insbesondere diejenigen, die geprägt wurden durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre oder weil die Kinder der Kriegsgeneration sind und deren Verhaltensweisen übernommen haben. Dass man hilfsbedürftig ist, möchten viele von diesen Menschen nicht zeigen. Deswegen verweigern sie Hilfe und verschweigen ihre Erkrankung, so lange es geht, damit sie gar nicht in den Ruf der Hilfsbedürftigkeit geraten. Sie bleiben lieber hilflos, als ihre Scham zu akzeptieren und auszuhalten oder gar durch sie hindurchzugehen und zu lernen, Hilfe zu akzeptieren.

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Demenz-Code Teil 8: Die Sinnesbrücken

 

 

Dass Sinnesäußerungen als Teil des Demenz-Codes besondere Beachtung verdienen und oft mehr zum Verständnis beitragen als verbale Äußerungen, habe ich schon beschrieben. Doch ihre Bedeutung weist darüber hinaus: Sie zeigen uns mögliche Brücken der Begegnung. Schon im am Anfang des Kapitels genannten Beispiel war die fahrig umher tastende Hand der alten Dame nicht nur ein Zugang, um zu verstehen, was die Worte für das Verständnis nicht hergaben. Sie waren ein Indiz, worüber eine Begegnung mit der Frau möglich war: Die Begleiterin ergriff ihre Hand.

Solche Einladungen gibt es viele. Wenn Frau V. den Pfleger fortwährend starr anblickt, dann ist das ein Zeichen für ihn, dass er sich so setzen oder kauern sollte, dass er Frau V. auf gleicher Augenhöhe begegnen kann. Dann schauen sich beide ein wenig länger in die Augen, zehn, zwanzig Sekunden – das reicht. Frau V. fühlt sich über diese Sinnesbrücke gesehen und sie beginnt zu lächeln. Ein persönlicher Kontakt, eine Begegnung ist entstanden.

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