Demenz-Code, Teil 7: Die Überforderungssignale

 

 

 

 

Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Herr G. beginnt plötzlich zu schimpfen. Alle anderen Bewohner/innen im Essraum der Alteneinrichtung schauen auf. Da fegt er mit seinem Arm den Teller, das Wasserglas und alles andere, das vor ihm auf dem Tisch steht, beiseite. Es fällt auf den Boden. Alle sind erschrocken und denken, dass Herr G. aggressiv ist.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 6: Hilfe holen ist nicht Kür, sondern Pflicht, ist nicht Schande, sondern Professionalität.

 

 

Es gibt Menschen und eben auch alte Menschen, die verroht sind und denen das Mitgefühl abhanden gekommen ist. Sie werden nicht immer auf solche klaren Haltungen des „Stopp“ reagieren, insbesondere nicht darauf, wenn man ihnen sagt: „Das tut mir weh“, da sie kein Mitgefühl haben. In solchen Situationen ist es notwendig, nach den Äußerungen des „Stopp“ und „Nein, lassen Sie das sofort sein!“ sofort die Situation, das heißt meist: den Raum zu verlassen und Hilfe zu holen. Hier braucht es die Unterstützung anderer, um aggressiven Menschen entgegen zu treten.

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit, Teil 5: Stopp – auch bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen

 

 

Bei Menschen, bei denen Aggressivität aus der Demenz oder anderer Hilflosigkeit entspringt, ist die gleiche Klarheit, aber nicht die gleiche Strenge des „Stopp“ und die gleiche Solidarität notwendig, wie bei denen, die aus Rohheit übergriffig werden. Doch hier kommt es nicht so sehr darauf an, dass Autoritäten wie die Leitungskräfte dies vermitteln, sondern Mitarbeiter/innen, zu denen die an Demenz erkrankten Menschen eine positive Bindung oder Verbindung haben. Gegenüber Menschen mit Demenzerkrankungen ist es vor allem wichtig, dass sich die Mitarbeiter/innen darin einig sind, dass aggressive Äußerungen und Handlungen immer ein „Stopp“ zur Folge haben, Sie brauchen diese Klarheit und Einheitlichkeit der Reaktion als Orientierung, da sie sonst noch verwirrter werden, was die Aggressivität fördern kann.

Siehe auch das Buch von:

Udo Baer, Gabriele Frick-Baer, Gitta Alandt: Wenn alte Menschen aggressiv werden Rat für Pflegende und Angehörige,                                                                                                     BELTZ Verlag, ISBN: 978-3-407-85986-0

Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann Teil 3: Verleugnen, Erstarren, Aktionismus

 

Als Reaktion auf die Demenz-Diagnose begegnen uns vor allem drei häufige Reaktionen, nicht nur bei den unmittelbar Betroffenen, sondern auch bei Familienangehörigen.

Die erste Reaktion ist das Verleugnen: „Das kann doch nicht sein!“ Oder: „Die müssen sich vertan haben.“ Viele Menschen wollen nicht wahrhaben, was das Ergebnis der Diagnose ist. Solche Reaktionen kennen wir bei vielen schockartigen Ereignissen, die das Leben der Menschen beeinflussen und ändern können, zum Beispiel wenn ein Partner der Partnerin mitteilt, dass er sie verlassen wird, oder bei anderen Diagnosen wie zum Beispiel der Diagnose Krebs. Das Verleugnen ist kein bewusster Akt, in dem ein Mensch nach Überlegungen zu dem Schluss kommt, dass die Diagnose falsch sein muss. Nein, es ist eine zutiefst leibliche Reaktion, die dem Schock entspringt. Der Schock der Diagnose überfordert den Menschen. Also wird das, was die Diagnose sagt, abgewehrt, indem es in Zweifel gezogen oder ganz geleugnet wird. Das Verleugnen ist also eine Überlebensreaktion.

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Demenz-Code Teil 6: Die neun Arten, Nein zu sagen

 

 

 

 

 

Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Viele Menschen, die an Demenz erkrankt sind, können sich nicht mehr differenziert äußern. Insbesondere das Nein-Sagen fällt ihnen schwer. Dies ist Ausdruck der demenziellen Desorientierungen und Kommunikations-Einschränkungen. Hinzu kommen vor allem bei zahlreichen alten Frauen die soziokulturellen Gewohnheiten. Wer in seinem Leben nie oder selten „Nein“ sagen durfte, wird dies nur schwerlich im hohen Alter bzw. in der Demenz lernen.

Ich werde Ihnen deshalb hier neun Arten, Nein zu sagen, vorstellen. Sie sind im Rahmen der Entschlüsselung des Demenz-Codes bedeutsam. Für die Wahrung der Würde an Demenz erkrankter Menschen brauchen sie das Recht, „Nein“ sagen zu dürfen und zu können. Dazu müssen sie verstanden werden.

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Ein Projekt: Meine Schulzeit

Eine Pflegeeinrichtung in Hessen bereitete eine Ausstellung vor: „Schule früher – meine Schulzeit“. Das Besondere daran: Die Vorbereitung und Durchführung der Ausstellung wurde wesentlich von Angehörigen getragen.

Viele Angehörige wurden einzeln angesprochen, ob sie sich vielleicht an dem Projekt beteiligen wollten. Das Argument war: Es diene der Belebung und Aktivierung der Bewohner/innen (natürlich nur, wenn sie es wollten). Einige Angehörige sagten zu. Sie hatten Interesse und die Mitarbeit minderte bei einigen die Schuldgefühle, dass sie ihre Eltern oder Partner hatten ins Heim geben müssen.

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit Teil 4: Null-Toleranz gegenüber sexueller und anderer Gewalt

Viertens braucht es eine Atmosphäre der Null-Toleranz gegenüber sexueller und anderer Gewalt. Was bedeutet das? Sexuelle Übergriffe und gewalttätige Handlungen werden als solche bezeichnet und diejenigen, die sie vornehmen, werden damit konfrontiert. Wenn Gewalt und Aggressivität von Pflegenden ausgehen, ist das selbstverständlich. Weiter lesen

Die übersehene Gewalt in den Familien, Teil 5: Leise Gewalt: „Besser, ich wäre tot.“

„Ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen.“ „Besser, ich wäre tot.“ „Nein, schenk mir nichts mehr zum Geburtstag, das lohnt sich nicht mehr.“ Solche und ähnliche Äußerungen weisen auf das erschütterte und erschütternde Innenleben eines pflegebedürftigen alten Menschen hin, auf sein Empfinden, dass sein Leben wirkungslos und sinnlos ist. Dies ist an sich schon schmerzlich. Und solche Sätze haben auch eine Wirkung auf die pflegenden Angehörigen. Diese Aussage trifft diese oft wie ein zusätzlicher Pfeil ins Herz: „Ich tue doch alles, um dir zu zeigen, wie wichtig du mir bist, und dann sagst du so was. Was soll ich denn noch tun?“

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 2: Der Schock

Der Schock

Eine Diagnose Demenz bzw. Alzheimer-Demenz ist ein Schock für alle Beteiligten. Ich betone noch einmal: alle Beteiligten. Diese Diagnose beinhaltet nicht nur eine Information, sondern ruft wesentliche emotionale Schockwellen hervor. Es ist ein Einschnitt zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen, zwischen vorher und nachher. Dieser Schock, dieser Einschnitt muss gewürdigt werden.

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit, Teil 3: Die Mitarbeiter/innen schulen!

Die Mitarbeiter/innen schulen!

Drittens ist es notwendig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Informationen und Schulungen erhalten, in denen an sie nicht nur die diffuse Aufforderung gerichtet wird: „Damit musst du professionell umgehen.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen konkrete Unterstützung, konkrete Hilfen von der Einrichtungsleitung, von der Pflegedienstleitung, in Fortbildungen und Supervisionen.

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