SERIE Demenz und geistige Behinderung (2): Woran die Demenz erkennen?

Das Hauptproblem besteht darin, dass es keine verlässlichen Tests gibt, um bei Menschen mit geistiger Behinderung eine beginnende Demenz zu erkennen. Schon bei Menschen ohne geistige Behinderung ist die Früherkennung vage und stützt sich vor allem auf die Beobachtung von Veränderungen geistiger Fähigkeiten. Diese sind bei Menschen mit geistiger Behinderung eingeschränkt und können deshalb nicht als Indikator genutzt werden.

Hinweise auf eine beginnende Demenz können sein:

  • (bei Down-Syndrom) ab 40. Lebensjahr epileptische Anfälle = erster Hinweis (84% der Menschen mit Demenz und Down-Syndrom haben epileptische Anfälle)
  • häufige Verknüpfung von Demenz und Depression
  • Vergessen, v.a. Abbau des Kurzzeitgedächtnisses
  • Verlust von Fähigkeiten, nicht mehr das machen, was man gern gemacht hat
  • Persönlichkeitsveränderung
  • Motorische Unruhe, Änderung des Tag-Nacht-Rhythmus, Stürze
  • Schlafstörungen
  • Ticks und andere Angstsymptome (die Menschen merken, dass sich etwas verändert, und das macht Angst

Das sind Anzeichen, die bei mehr als 50% der Personen in der frühen und mittleren Demenzphase beobachtet wurden.

Weitere Anzeichen (30 bis 50%):

  • aggressives Handeln
  • Streitlust
  • Inkontinenz
  • Horten von Gegenständen
  • Schluckprobleme

Die angebotenen Tests taugen nach meinen Erfahrungen und denen der mir bekannten Einrichtungen nicht und erfordern einen Zeitaufwand, der nicht zu leisten ist, weder von den Betroffenen noch von den Mitarbeiter/innen.

Deswegen sind Beobachtungen von Änderungen im Erleben und Verhalten der Hauptfaktor. Am wichtigsten und häufigsten sind:

  • Verringerungen des Kurzzeitgedächtnisses
  • Unruhe, Wandern
  • Aggressivität und v.a.
  • Verlust alter und Auftreten neuer Verhaltensweisen

Besondere Hinweise bei Menschen mit Down-Syndrom:

Es gelten alle bislang genannten Hinweise. Vor allem gilt die Besonderheit, dass Einschränkungen des Gedächtnisses erst spät auftreten. Frühe Signale/Hinweise sind vor allem Verhaltens- und Persönlichkeitsveränderungen und die epileptischen Anfälle (Down-Syndrom: 75%, geistige Behinderung: 10%, jeweils bei Demenz).

Series Navigation<< SERIE Demenz und geistige Behinderung (1): ZahlenSERIE Demenz und geistige Behinderung (3): Besondere Einrichtungen? >>

About Udo Baer

Dr. phil., (Gesundheitswissenschaften), Diplom-Pädagoge, Kreativer Leibtherapeut AKL, Leiter der Semnos-Akademie für Kreative Leibtherapie, Vorsitzender der Stiftung Würde, Er hat gemeinsam mit Dr. Gabriele Frick-Baer die Kreative Leibtherapie und gemeinsam mit Dr. Claus Koch die Beziehungspädagogik entwickelt. Mitleiter des Pädagogischen Instituts Berlin (PIB) und der Plattform www.kinderwürd-udo-baer.de, Autor zahlreicher Fach- und Sachbücher und anderer Veröffentlichungen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.