Demenz-Code Teil 6: Die neun Arten, Nein zu sagen

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Viele Menschen, die an Demenz erkrankt sind, können sich nicht mehr differenziert äußern. Insbesondere das Nein-Sagen fällt ihnen schwer. Dies ist Ausdruck der demenziellen Desorientierungen und Kommunikations-Einschränkungen. Hinzu kommen vor allem bei zahlreichen alten Frauen die soziokulturellen Gewohnheiten. Wer in seinem Leben nie oder selten „Nein“ sagen durfte, wird dies nur schwerlich im hohen Alter bzw. in der Demenz lernen.

Ich werde Ihnen deshalb hier neun Arten, Nein zu sagen, vorstellen. Sie sind im Rahmen der Entschlüsselung des Demenz-Codes bedeutsam. Für die Wahrung der Würde an Demenz erkrankter Menschen brauchen sie das Recht, „Nein“ sagen zu dürfen und zu können. Dazu müssen sie verstanden werden.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 2: Der Schock

Der Schock

Eine Diagnose Demenz bzw. Alzheimer-Demenz ist ein Schock für alle Beteiligten. Ich betone noch einmal: alle Beteiligten. Diese Diagnose beinhaltet nicht nur eine Information, sondern ruft wesentliche emotionale Schockwellen hervor. Es ist ein Einschnitt zwischen dem Vergangenen und dem Zukünftigen, zwischen vorher und nachher. Dieser Schock, dieser Einschnitt muss gewürdigt werden.

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Die Spannung in den Zähnen

Viele ältere Menschen haben große Spannung in den Zähnen. Darunter leiden ihre Gebisse. Oft schmerzt der Kiefer bzw. die Kiefermuskulatur. Sicherlich kann diese chronische Anspannung bei manchen Menschen davon abstammen, dass sie gewohnt waren und sind, „die Zähne zusammenzubeißen“. Wenn sie schwächer werden, wenn sie Schmerzen haben, wenn sie unsicherer werden, neigen sie dazu, die Zähne noch stärker zusammenzubeißen und können sie dann oft nicht mehr loslassen, sodass die Spannung zu einem Dauerdruck wird.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 5: Keine Floskeln

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Begründen Sie Ihr „Stopp“ nicht mit allgemeinen Floskeln. Ihr „Stopp“ muss als wahrhaftiges „Nein“ seine Adressaten finden. Es reicht oft nicht zu sagen: „Solche Worte sollten Sie hier nicht in den Mund nehmen.“ Oder: „Das tut man nicht.“ Senden Sie stattdessen Botschaften vom Ich zum Du, zum Beispiel:

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Demenz-Code Teil 5: Die Coping-Vorbilder

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Manche Menschen mit Demenz kannten in ihrer Jugend oder im Erwachsenenalter Menschen mit Demenz und fanden damals Wege, mit ihnen gut umzugehen. Frau E. erzählte, bevor sie demenzkrank wurde, von ihrer Oma, die „nichts mehr mitbekam und immer nur jammerte, dass alles so schlimm“ sei. „Da bin ich zu ihr hin, hab’ ihr über die Backe gestreichelt und ihr gesagt: ,Ja, du bist en arm Dier (ein armes Tier).’ Das hat immer geholfen, da wurde sie ruhig.“

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 1: Die Demenz-Diagnose und die Zeit davor

Wenn Menschen die Diagnose Demenz oder speziell Alzheimer-Demenz erhalten, dann erschüttert dies. Diese Erschütterung ist umso stärker, je intensiver eine Phase der Angst vorherging. Im Unterschied zu früheren Zeiten wissen mittlerweile fast alle Menschen, dass eine Demenz bzw. Alzheimer-Demenz keine Erkrankung ist, die vorbeigeht, sondern dass diese Erkrankung immer schlimmer wird und im Tod endet. So positiv es ist, dass Wissen um die Demenz verbreitet ist, so sehr fördert es auch, dass sich Menschen vor der Demenz ängstigen. Das kann schon in jüngeren Jahren beginnen, wenn Menschen merken, dass sie etwas vergessen, und erst Recht, wenn sich dies wiederholt. Doch im höheren Alter wird die Angst größer und stärker.

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Demenz-Code Teil 4: Das Hier und Jetzt hinter den Erinnerungen

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Wenn jemand mit Frau R. spricht, kommt unweigerlich der Satz: „Ich habe drei Männer überlebt.“ Und dann erzählt sie über ihren ersten Mann, der im Bergbau unter Tage gearbeitet hat und an einer Staublunge starb, über ihren Sohn, der früh bei einem Unfall gestorben ist, und über ihren zweiten Mann, der den Kampf gegen den Krebs verloren hat. Manche anderen Bewohner/innen und auch manche Mitarbeiter/innen der Alteneinrichtung, in der Frau R. lebt, sind ein wenig genervt, dass immer wieder die alten Erinnerungen erzählt werden.

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Demenz-Code Teil 3: Die Gefühle hinter den Worten

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Frau C. ruft ihre demenzkranke Mutter an. Diese beginnt das Gespräch wie fast immer in der letzten Zeit mit den Worten: „Na das wird ja auch Zeit, dass du mal wieder anrufst!“ Frau C. rechtfertigt sich, dass sie so viel zu tun habe und außerdem erst vor drei Tagen angerufen habe. Doch ihre Mutter hat den Anruf vergessen oder das Zeitgefühl verloren. Den Worten nach beginnt sie das Gespräch offensiv, mit einem Vorwurf. Die Tochter reagiert auf den Vorwurf und somit defensiv – verständlicherweise, weil dies einer langen Beziehungsgeschichte zwischen beiden entspringt.

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Demenz-Code Teil 2: Die zwei Zeiterleben

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Es gibt die objektive Zeit, die in Sekunden, Minuten, Stunden usw. zu messen ist. Und es gibt das Zeiterleben, das subjektiv ist und je nach Individuum und Situation unterschiedlich erfahren wird. Ein Arbeitstag kann für den Einen „wie im Flug“ vergehen und für einen Anderen „quälend langsam“.

Das Zeiterleben der meisten Menschen mit Demenz ist bedeutend langsamer als das derjenigen, die sie begleiten.

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Demenz Code Teil 1: Erst die Sinne, dann die Resonanz, dann die Worte

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Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.

Frau F. wiederholt einen Satz, immer wieder und kaum verständlich. Die Pflegekraft versucht, genau hinzuhören, und versteht: „Die Milch ist angebrannt.“ Mit dem Satz kann die Pflegerin nichts anfangen. Sie versteht nicht, was er bedeuten könnte. Doch sie nimmt die Sinnesäußerungen von Frau F. wahr: Deren Augen flackern hin und her, der Klang des Satzes ist scheu und ängstlich, die rechte Hand bewegt sich fahrig und zitternd auf dem Oberschenkel hin und her.

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