Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 10: Partnerschaftliche Biographiearbeit

In der Biographiearbeit ist es nicht nötig, möglichst viele Daten und Fakten zu sammeln, sondern es kommt auf das an, was wesentlich ist, um die Beziehung zu halten oder zu stärken. Deswegen ist es wichtig und sinnvoll, dass ein Paar sich an eine partnerschaftliche Biographiearbeit begibt oder dass es diese mit den Kindern gemeinsam gestaltet.

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Agitiertheit, Teil 3: Zeiterleben und Raumorientierung

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Besonderheiten bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen, die Agitiertheit fördern, liegen in deren verändertem Zeiterleben und der veränderten räumlichen Orientierung. Das Zeiterleben ist oft verschoben, für viele wird die Nacht zum Tag und umgekehrt. Wenn alle anderen nachts ruhen und Herr Michels um 1 Uhr beginnt, das Zimmer aufzuräumen und unruhig hin und her läuft, dann kann das nerven. Wird dann versucht, ihm zu erklären, dass es Nacht ist, oder wird er zu Ruhe ermahnt, wirkt dies in der Regel nicht. Für Herrn Michels  i s t  es Tag und er hat eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich aufzuräumen.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 9: Ich liebe dich

 

 

Viele Menschen mit demenziellen Erkrankungen, die ihre Kinder oder ihre Partner/in lieben, haben Angst, diese Liebe nicht mehr fortsetzen zu können. Deswegen ist es gut, über diese Liebe zu sprechen. Möglichst konkret, möglichst darüber, wie sie sich konkret ausdrückt, wie sie gelebt wurde und gelebt wird. Zum Beispiel sind Fragen wichtig wie:

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Würde und Demenz, Teil 2: Es geht um lebendige Beziehung

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Dass alten Menschen der Würdigung bedürfen und dass die Würde in der Altenhilfe ein hohes Gut ist, wird allerorten verkündet. Doch was heißt das konkret? Was beinhaltet es, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu würdigen? Vier kleine Anmerkungen seien erlaubt:

2. Wer altert, verliert Menschen. Durch Krankheit und Gebrechlichkeit, Rückzug und Tod. Eine demenzielle Erkrankung verstärkt diesen Prozess. Menschen mit Demenz neigen zu Rückzug und Vereinsamung. Die Scham über die eigene Vergesslichkeit und Desorientierung, die Peinlichkeit der eigenen Unzulänglichkeiten produziert darüber hinaus das Bestreben, sich weniger zu zeigen, sich nicht mehr zuzumuten.

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Agitiertheit, Teil 2: Agitiertheit bei demenziellen Erkrankungen

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Jede demenzielle Erkrankung beunruhigt. Wer sich nicht mehr mit sich und der Welt zurechtfindet, wird verunsichert, wird „aus der Bahn“ geworfen. Das kann zu agitiertem Verhalten, ja zu Aggressivität führen. In der Unruhe äußert sich meist die Beunruhigung, dass nichts mehr so ist, wie es war. Wenn ein demenziell erkrankter Mensch mehrmals am Tag Menschen nicht wiedererkennt, von denen er spürt, dass er sie kannte, ja kennen sollte, dann ruft das meist Schamgefühle hervor und baut Spannung auf. Diese Spannung kann sich in agitiertem Verhalten entladen.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 8: Die Zukunft

 

 

Bei einer Demenz-Diagnose erscheint vielen Betroffenen und Angehörigen die Zukunft grau und düster. Man weiß, dass der Alltag immer schwieriger wird und dass die Krankheit fortschreiten kann. Das macht Angst. Und Angst verschließt die Augen. Umso wichtiger ist es, über die Zukunft zu reden. Wir haben schon erwähnt, dass viele Menschen Pläne und Wünsche haben, die auch mit einer demenziellen Erkrankung verwirklicht werden können. Wird darüber nicht geredet, können diese Wünsche nicht auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden.

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Würde und Demenz, Teil 1: Gewürdigt zu werden, ist ein Menschenrecht.

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Dass alten Menschen der Würdigung bedürfen und dass die Würde in der Altenhilfe ein hohes Gut ist, wird allerorten verkündet. Doch was heißt das konkret? Was beinhaltet es, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu würdigen? Vier kleine Anmerkungen seien erlaubt:

1.
Menschen mit Demenz zu würdigen, bedeutet, die Betonung auf „Menschen“ zu legen und nicht auf „Demenz“. Ja, die vielfältigen Erscheinungsformen demenzieller Erkrankungen müssen erkannt, verstanden und beachtet werden. Doch die erkrankten Menschen sind nicht nur „dement“. Ihr Menschsein erschöpft sich nicht darin, sondern ist weit mehr als das. Sie lachen und glauben, sie lieben und schimpfen, sie kuscheln und sehnen sich … Sie leben vielfältige Aspekte ihres Menschseins. Manche anders als die andern, manche verstörend, manche irritierend. Sie machen Mühe, ja, auch viele andere menschliche Begegnungen bedürfen der Achtsamkeit und Mühe.

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Agitiertheit, Teil 1: Was beunruhigt unruhige alte Menschen? Was können Pflegende tun?

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Viele alte Menschen, die Sie pflegen oder anderweitig begleiten, sind unruhig. Diese Unruhe geht in ihrer Intensität über Nervosität und alltäglichen Bewegungsdrang hinaus. Die betroffenen Menschen werden deshalb als „agitiert“ bezeichnet. Dieses Agitiertsein lässt sich von den Betroffenen nicht einfach abstellen und führt dazu, dass die Betroffenen und auch deren Umgebung darunter leiden. Das betrifft Angehörige wie professionell Pflegende.

Zeigen kann sich diese Unruhe in unterschiedlicher Weise. Manche Menschen laufen auf und ab, sofern sie das noch können. Andere reden vor sich hin. Manche bewegen sich hospitalisierend vorwärts und rückwärts oder nach rechts und nach links.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 7: Schuldgefühle

 

 

Wer krank ist, hat oft Schuldgefühle. Schuldgefühle sind häufig die große Schwester der Schamgefühle. Wer eine Demenz-Diagnose hört, hat häufig Schuldgefühle, anderen zur Last zu fallen. Um damit umgehen zu können, ist es wichtig zu wissen, dass bei den Menschen Schuldgefühle und Schuld nicht immer zusammengehören. Es gibt viele Menschen, die schuldig sind, aber keine Schuldgefühle haben. Auf der anderen Seite gibt es die Schuldgefühle der Opfer, die sich schuldig fühlen, ohne Schuld zu haben.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 6: Die Scham

 

 

Wenn jemand die Demenz-Diagnose erfährt, ist es wünschenswert, dass das Familiensystem und die Freunde und Freundinnen helfen können und dürfen. Doch oft begegnen wir genau an dieser Stelle der Scham. Die Betroffenen schämen sich, dass sie an Demenz erkrankt sind – und reden deshalb nicht darüber. Familienangehörige schämen sich ihres oder ihrer Erkrankten und vor allem schämen sich viele Menschen, hilfsbedürftig zu sein. Sich helfen zu lassen, haben sie nicht gelernt, insbesondere diejenigen, die geprägt wurden durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre oder weil die Kinder der Kriegsgeneration sind und deren Verhaltensweisen übernommen haben. Dass man hilfsbedürftig ist, möchten viele von diesen Menschen nicht zeigen. Deswegen verweigern sie Hilfe und verschweigen ihre Erkrankung, so lange es geht, damit sie gar nicht in den Ruf der Hilfsbedürftigkeit geraten. Sie bleiben lieber hilflos, als ihre Scham zu akzeptieren und auszuhalten oder gar durch sie hindurchzugehen und zu lernen, Hilfe zu akzeptieren.

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