Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 7: Es gibt Grenzen

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Wenn die Rohheit eines alten Menschen und seine Verachtung gegenüber Pflegenden Gewalttätigkeiten einschließlich sexueller Übergriffe hervorruft, dann bedarf es einer entschiedenen Haltung gegenüber diesen Menschen. Von Seiten der Leitenden müssen mit diesen Menschen Gespräche geführt werden, in denen nicht darüber diskutiert wird, ob das Verhalten überhaupt falsch war, sondern eindeutig vermittelt wird, dass ein solches Verhalten in dieser Einrichtung nicht geduldet wird und im Wiederholungsfall dazu führt, dass diese Menschen die Einrichtung verlassen müssen. Es gibt Einrichtungen für pflegebedürftige Täter, die dafür in Frage kommen. In ihnen werden unbelehrbare Menschen untergebracht.

Wer aus Rohheit gewalttätig wird, versteht in den meisten Fällen nur die Sprache des Drucks. Das ist bedauerlich und steht dem Selbstbild und dem Anspruch vieler Sozialarbeiter/innen und Pflegekräfte an die eigene Arbeit entgegen, doch es ist Realität.

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit, Teil 6: Kein Pflegen mit Angst

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Es gehört zu einer Haltung der Solidarität, dass keine Pflegekraft mit Angst pflegen muss. Wenn es pflegebedürftige alte Menschen in einer Einrichtung gibt, die gegenüber einer bestimmten Person aggressiv oder gewalttätig geworden sind, dann muss überlegt und mit der Pflegekraft gesprochen werden, ob sie weiter für die Pflege dieser Person zuständig sein will und kann oder ob dies jemand anders übernehmen sollte. Es gibt auch gewalttätige Menschen, die nur zu zweit gepflegt werden können. Dies ist ein erhöhter Aufwand, der selbstverständlich auch Kosten verursacht, doch lange Krankheitszeiten oder gar Kündigungen und die damit notwendigen Neueinstellungen und Einarbeitungen neuer Pflegekräfte kosten auch und in der Regel viel mehr.

Siehe auch das Buch von:

Udo Baer, Gabriele Frick-Baer, Gitta Alandt: Wenn alte Menschen aggressiv werden Rat für Pflegende und Angehörige,                                                                                                     BELTZ Verlag, ISBN: 978-3-407-85986-0

Klare Kante hilft !

Eine Pflegerin in Schleswig-Holstein kommt zur Pflegedienstleiterin und sagt: „Der Herr T. ist aber auch ganz schön eigen.“

„Wieso, was ist denn mit ihm?“

„Der ist ja neu. Als ich heute bei ihm war, sagte er: ,Wie ist das denn hier mit Frauen? Komm, leg dich doch gleich aufs Bett …“

Als die Pflegedienstleitung das hörte, ging sie sofort zu Herrn T. Sie sagte ihm: „Was Sie heute zu meiner Mitarbeiterin gesagt haben, dulde ich nicht. Wenn Sie eine Prostituierte wünschen, sprechen Sie das mit Ihrer Familien ab und gegebenenfalls uns an. Aber ich dulde nicht, dass Sie unsere Mitarbeiterinnen als Nutten behandeln. Wir pflegen Sie und da sieht eine Pflegerin Sie auch nackt – aber da ist eine klare Grenze. Was Sie gesagt haben, geht ganz und gar nicht. Verstehen Sie das?“

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 6: Hilfe holen ist nicht Kür, sondern Pflicht, ist nicht Schande, sondern Professionalität.

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Es gibt Menschen und eben auch alte Menschen, die verroht sind und denen das Mitgefühl abhanden gekommen ist. Sie werden nicht immer auf solche klaren Haltungen des „Stopp“ reagieren, insbesondere nicht darauf, wenn man ihnen sagt: „Das tut mir weh“, da sie kein Mitgefühl haben. In solchen Situationen ist es notwendig, nach den Äußerungen des „Stopp“ und „Nein, lassen Sie das sofort sein!“ sofort die Situation, das heißt meist: den Raum zu verlassen und Hilfe zu holen. Hier braucht es die Unterstützung anderer, um aggressiven Menschen entgegen zu treten.

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit, Teil 5: Stopp – auch bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen

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Bei Menschen, bei denen Aggressivität aus der Demenz oder anderer Hilflosigkeit entspringt, ist die gleiche Klarheit, aber nicht die gleiche Strenge des „Stopp“ und die gleiche Solidarität notwendig, wie bei denen, die aus Rohheit übergriffig werden. Doch hier kommt es nicht so sehr darauf an, dass Autoritäten wie die Leitungskräfte dies vermitteln, sondern Mitarbeiter/innen, zu denen die an Demenz erkrankten Menschen eine positive Bindung oder Verbindung haben. Gegenüber Menschen mit Demenzerkrankungen ist es vor allem wichtig, dass sich die Mitarbeiter/innen darin einig sind, dass aggressive Äußerungen und Handlungen immer ein „Stopp“ zur Folge haben, Sie brauchen diese Klarheit und Einheitlichkeit der Reaktion als Orientierung, da sie sonst noch verwirrter werden, was die Aggressivität fördern kann.

Siehe auch das Buch von:

Udo Baer, Gabriele Frick-Baer, Gitta Alandt: Wenn alte Menschen aggressiv werden Rat für Pflegende und Angehörige,                                                                                                     BELTZ Verlag, ISBN: 978-3-407-85986-0

Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit Teil 4: Null-Toleranz gegenüber sexueller und anderer Gewalt

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Viertens braucht es eine Atmosphäre der Null-Toleranz gegenüber sexueller und anderer Gewalt. Was bedeutet das? Sexuelle Übergriffe und gewalttätige Handlungen werden als solche bezeichnet und diejenigen, die sie vornehmen, werden damit konfrontiert. Wenn Gewalt und Aggressivität von Pflegenden ausgehen, ist das selbstverständlich. Weiter lesen

Die übersehene Gewalt in den Familien, Teil 5: Leise Gewalt: „Besser, ich wäre tot.“

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„Ich bin zu nichts mehr zu gebrauchen.“ „Besser, ich wäre tot.“ „Nein, schenk mir nichts mehr zum Geburtstag, das lohnt sich nicht mehr.“ Solche und ähnliche Äußerungen weisen auf das erschütterte und erschütternde Innenleben eines pflegebedürftigen alten Menschen hin, auf sein Empfinden, dass sein Leben wirkungslos und sinnlos ist. Dies ist an sich schon schmerzlich. Und solche Sätze haben auch eine Wirkung auf die pflegenden Angehörigen. Diese Aussage trifft diese oft wie ein zusätzlicher Pfeil ins Herz: „Ich tue doch alles, um dir zu zeigen, wie wichtig du mir bist, und dann sagst du so was. Was soll ich denn noch tun?“

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Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit, Teil 3: Die Mitarbeiter/innen schulen!

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Die Mitarbeiter/innen schulen!

Drittens ist es notwendig, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Informationen und Schulungen erhalten, in denen an sie nicht nur die diffuse Aufforderung gerichtet wird: „Damit musst du professionell umgehen.“ Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter brauchen konkrete Unterstützung, konkrete Hilfen von der Einrichtungsleitung, von der Pflegedienstleitung, in Fortbildungen und Supervisionen.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 4: Die Klarheit des „Stopp“

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Egal aus welcher Quelle sexuelle Übergriffe oder andere Gewalttätigkeiten alter Menschen entspringen, immer sollten Sie, die Pflegenden, die dem ausgesetzt sind, das nicht einfach dulden und erdulden, sondern um ihr Recht auf Unversehrtheit wissen und es einfordern. Wenn Menschen Aggressivität oder Gewalt erfahren, sollten sie sich selbst erlauben und von anderen die Erlaubnis erhalten, ein klares und energisches „Stopp“ oder „Nein“ zu äußern. Dieses „Stopp“ muss eindeutig und authentisch sein. Es darf nicht verwässert werden durch Einschränkungen, Entschuldigungen oder Konjunktive.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 3: „Weichei!“ – Auch Täter/innen haben Alternativen

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Entscheidend für die Haltung gegenüber einem Menschen, der verroht wurde, ist, ob sich um wenigstens teilweise um mitfühlende und andere verstehende Beziehungen bemüht. Wenn er es ablehnt, sich in andere hineinzuversetzen, vor allem deren Leiden anzuerkennen, und die eigenen Gewalterfahrungen als “richtig” darstellt und weitergibt, dann ist er als Mensch ohne Mitgefühl und damit als bösartig zu bezeichnen:

Eine Gruppe „Alt und Jung“ trifft sich einmal wöchentlich donnerstags nachmittags im Pflegeheim. „Alt“ sind die Bewohner/innen des Hauses; „jung“ Schüler einer nahegelegenen Realschule im Alter von ca. 12/13 Jahren. Herr D. ist zum ersten Mal dabei und sieht zu, wie die Jugendlichen auf ihrem Handy spielen. Er versteht nicht, was sie tun, und fragt nach. Ein Junge erklärt ihm geduldig ein „Ballerspiel“.

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