Oft werden wir auf Veranstaltungen gefragt, wie Menschen der Demenz, vor allem der Alzheimerdemenz, vorbeugen können. Auf diese Frage haben viele wissenschaftliche Untersuchungen Antworten gesucht und alle paar Monate wurden und werden angebliche Ergebnisse in den Medien breit getreten. Mal war es der Bleigehalt im Trinkwasser, dann wieder bestimmte Ernährungsgewohnheiten. Umwelteinflüsse, Erblichkeit, Ansteckung und andere Faktoren wurden genannt … All diese Untersuchungsergebnisse hatten nur einen Makel: Sie bestätigten sich nicht. Weiter lesen
Demenz / SMEI
Hier finden Sie Texte zum Verständnis von Demenz und den Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind. SMEI ist die Abkürzung von Sense-Motorische erlebnisfördernde Interaktion, ein Konzept von Dr. Udo Baer, das sich besonders in der Unterstützung und Begleitung von Menschen mit Demenz bewährt hat.
Alle Seiten dieses Themas finden Sie im Archiv „Demenz / SMEI“
Biografiebrücken
Nicht nur in besonderen Aktivitäten würdigender Biografiearbeit, auch im Pflegealltag ist es notwendig, biografische Zusammenhänge zu erkennen und zu würdigen. Oft werden große Mengen biografischer Fakten gesammelt, die im Alltag nicht präsent sind und nicht präsent sein können.
Deshalb sind in dem folgenden Formular die 6 wichtigsten Biografiebrücken aufgeführt, die zu kennen im Pflegealltag sinnvoll ist. Weiter lesen
Das Manifest der Würde
Nein zur bloßen Definition über die Erkrankung
- Ja zur Würdigung als Person und Persönlichkeit
Nein zum bloßen Blick auf Schwächen und Mängel
- Ja zum Blick auf Ressourcen und Fähigkeiten
Nein zur Bevormundung
Tipps zu Wertschätzungsübungen im Pflegealltag
- Nutzen Sie jede Gelegenheit, die zu pflegenden Menschen nach ihrer Meinung zu fragen: „Was meinen Sie dazu?“ Oder: „Was denken Sie?“
- Fragen Sie immer wieder, was die betreuten Menschen mögen und was nicht. Zum Beispiel den Stoff der Jacke oder die Art, wie der Rotkohl angemacht wurde. Ermutigen Sie, auf sinnliche Erfahrungen zu achten und diese zu bewerten.
- Seien Sie geduldig, wenn die alten Menschen viel Zeit brauchen, bis sie antworten. Ihr Zeitgefühl ist anders als das Ihrige.
- Achten Sie besonders darauf, wie die zu pflegenden Menschen ihre Bewertungen abgeben: zum Beispiel durch Blicke und Handbewegungen oder andere körpersprachliche Regungen
- Sagen auch Sie Ihre Meinungen und Bewertungen. Nicht als Vorgabe für andere, sondern als Ermutigung und Vorbild.
- Nutzen Sie jede noch so kleine Chance, den Menschen, die Sie begleiten, Entscheidungen zu überlassen.
- Und ergreifen Sie jede Möglichkeit, ehrliche Komplimente zu machen, keine verlogenen, sondern immer da, wo Sie Wertschätzung verspüren.
Das ABC der Gefühle und die Demenz
Ein Beitrag, wie das ABC der Gefühle für die Begleitung von Menschen mit Demenz wichtig ist.
Manche Gefühle mögen wir Menschen: zum Beispiel die Liebe, die Freude, das Interesse. Andere wollen wir nicht: etwa die Hilflosigkeit, den Ekel, die Scham. Doch alle Gefühle haben ihren Sinn. Sie sind nützlich, damit wir uns in unserer Welt spontan zurechtfinden, und regeln wesentlich unsere Beziehungen zu anderen Menschen.
Für Menschen, die an Demenz erkranken, verändert sich nicht nur die kognitive Orientierung, sondern ihre gesamte Gefühlswelt. Deshalb werden wir uns in diesem Beitrag mit den Besonderheiten der Gefühle und ihrer Veränderungen in der Demenz beschäftigen. Wir werden einige Gefühle exemplarisch aus der Perspektive eines Menschen mit Demenz betrachten. Damit wollen wir nicht so vermessen sein, anzunehmen, dass dieses Erleben für alle gleichermaßen gelten würde. Es sind unsere Erfahrungen in der Begegnung mit Menschen mit Demenz, die wir zusammenfassen. Anschließend stellen wir einige Kernregeln der Grammatik der Gefühle, wie wir sie erschlossen haben, vor und erläutern, welche Bedeutung sie in der Begleitung von Menschen mit Demenz haben.
Lesen Sie den ganzen Artikel hier: Das ABC der Gefühle und die Demenz
Quelle: Baer, Udo; Frick-Baer, Gabriele (2013) Das ABC der Gefühle und die Demenz. In Demenz. Das Magazin. Heft 16. Hannover.
Erfahrungen in einer Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz und Alzheimer: Tanzende Melodie
(Name der Bewohnerin wurde geändert)
Elsa Schön ist in der Demenz schon sehr weit fortgeschritten. Sie wirkt meist sehr angespannt und in der Körperhaltung sehr verkrampft. Sie sitzt im Rollstuhl und kann nur noch über Laute auf sich aufmerksam machen. Das Lautieren ist an vielen Tagen so stark, dass sich andere Bewohner davon gestört fühlen und dieses auch genervt kund tun. Frau Schön wird dann manchmal in ihr Zimmer gebracht, um auch für sie eine reizarme und entspannende Atmosphäre zu schaffen.
Wenn ich mich zu Frau Schön setze, klingen in mir Sätze an, wie: Hör mir zu! Ich brauche jemanden, der mit mir spricht! – Ich wollte mit ihr sprechen und war neugierig auf das, was sie mir vielleicht erzählen wird.
Das Herz wird nicht dement
Tipps für den Umgang mit Gefühlen an Demenz erkrankter Menschen.
Das Gedächtnis lässt nach, das Orientierungsvermögen schwächelt. Und auch das Gefühlsleben von Menschen mit Demenz verändert sich, weiß Udo Baer. Ihren Angehörigen fällt es oft schwer, angemessen damit umzugehen
Bitte stellen Sie sich einmal vor: Sie treffen jemanden, wissen genau, dass Sie ihm oder ihr früher schon ein- oder gar mehrmals begegnet sind – aber Sie können sich an den Namen Ihres Gegenübers nicht mehr erinnern. Peinlich, oder?
Die allermeisten, selbst 25- und 30jährige, haben solche Episoden schon erlebt. Immerhin, nach ein paar Tagen ist der Zwischenfall vergessen. Sie sind ja nicht dement!
Anders, wenn sich solche Erlebnisse wiederholen oder gar häufen wie in der ersten Phase einer Demenz-Erkrankung. Die heftigen Gefühle, die das auslöst – Verunsicherung, Angst, Nicht-Wahrhaben-Wollen… – fordern auch die Angehörigen heraus. Angemessen und würdigend zu reagieren gelingt ihnen umso eher, je besser sie über die Demenz-bedingten Gefühlsveränderungen Bescheid wissen.
Demenz-Code
Der Demenz-Code ist eine Hilfe, um verständlich zu beschreiben, was sich hinter dem oft verschlüsselten Ausdruck von Menschen mit Demenz verbergen kann. Als Sonderdruck wurde er mit Unterstützung der Stiftung Würde, des Semnos-Verlages und des Beltz-Verlages gedruckt und umsonst verteilt. Er kann kostenlos ab 50 Exemplaren bestellt werden. Schreiben Sie hierfür einfach eine E-Mail mit Ihrer Adresse und der Menge an Demenz-Code@zukunftswerkstatt-tk.de.
Den Demenz-Code können Sie sich auch hier als PDF herunterladen: Demenz-Code PDF