In einem Altenheim erzählten einige Bewohner/innen oft von „ihren Tieren“, die sie früher hatten. Daraus erwuchs ein Projekt, in das Angehörige einbezogen wurden. Zwei Mitarbeiter/innen und drei Angehörige machten sich daran, die Bewohner/innen nach „ihren Tieren“ zu befragen.
Demenz-Code Teil 3: Die Gefühle hinter den Worten
Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.
Frau C. ruft ihre demenzkranke Mutter an. Diese beginnt das Gespräch wie fast immer in der letzten Zeit mit den Worten: „Na das wird ja auch Zeit, dass du mal wieder anrufst!“ Frau C. rechtfertigt sich, dass sie so viel zu tun habe und außerdem erst vor drei Tagen angerufen habe. Doch ihre Mutter hat den Anruf vergessen oder das Zeitgefühl verloren. Den Worten nach beginnt sie das Gespräch offensiv, mit einem Vorwurf. Die Tochter reagiert auf den Vorwurf und somit defensiv – verständlicherweise, weil dies einer langen Beziehungsgeschichte zwischen beiden entspringt.
Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit Teil 2: Auch die versteckten Gesichter der Gewalt betrachten
Sie brauchen in einer Pflegeeinrichtung nach unseren Erfahrungen ein Jahr, um ein Programm umzusetzen, das Ihre Einrichtung zu einem „Haus ohne Gewalt“ werden lässt. Dazu gehört als erster Schritt, dass Sie gemeinsam mit den Mitarbeiter/innen Formen und Gesichter der Gewalt identifizieren, von wem auch immer sie ausgeht:
Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 4: Unterschwellige Aggression: „Mein Auto behalte ich …“
Als stille Gewalt, die so leise daher kommt, dass sie leicht übersehen wird, wird von Angehörigen auch empfunden, wenn ihre gebrechlicher werdenden Eltern, oft im Anfangsstadium der Demenz, nicht bereit sind, ihren Führerschein abzugeben. Die große Angst, dass sie nicht nur sich, sondern auch andere Menschen gefährden, beunruhigt die Töchter oder Söhne oft dauerhaft. Die alten Menschen reagieren mit blankem Unverständnis oder gar Hass auf die Bitte oder Forderung der Kinder – die wiederum verständlicherweise vor dem Schritt zurückscheuen, eine Entmündigung oder ähnliche Schritte zu unternehmen.
Kein Ziel verfolgen, Gastbeitrag: Interview von Dr. Frank Frick (Wissenschaftsjournalist) mit Christiane Hecker
Christiane Hecker ist Musiktherapeutin und Kreative Leibtherapeutin. Sie arbeitet auf einer Palliativstation und in zwei Hospizen in Hannover.
Was brauchen Sterbenskranke?
Sie benötigen zunächst einmal eine rundum gute pflegerische Betreuung, so dass es etwa nicht zum Wundliegen kommt. Viele Patienten, beispielsweise die Krebskranken, brauchen eine professionelle palliative medizinische Behandlung, zu der unter anderem eine Schmerztherapie auf höchstem Niveau gehört. Außerdem brauchen Sterbenskranke andere Menschen – Angehörige und ehrenamtliche Sterbebegleiter –, die liebevoll, warmherzig und empathisch sind. Wichtig ist, dass diese Menschen das Leiden des Sterbenden aushalten können.
Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 2: Atmosphären der Gewalt und Rohheit
Oft mündet die Gefühllosigkeit in offene Gewalt, manchmal schafft sie eine Beziehungsatmosphäre, die von anderen als gewalttätig empfunden wird:
Beim Einzug einer alten Frau ins Pflegeheim sind der begleitenden Schwiegertochter sowohl die Anstrengungen als auch die Erleichterung förmlich ins Gesicht geschrieben.
Sie sei „mit den Nerven am Ende“ und halte das ständige Tyrannisieren nun nicht mehr aus. „So geht das schon mein ganzes Leben. Vom ersten Tag unseres Kennenlernens hat meine Schwiegermutter mich schikaniert. Nichts, aber auch rein gar nichts konnte ich ihr recht machen. Verzeihen Sie, aber ich habe sie heimlich immer “alte Hexe” genannt. Jetzt sieht es auch mein Mann ein: Sie hat unsere Ehe immer belastet. Ich kann nicht mehr … wir müssen Mutter abgeben.“ Und sie erzählt, dass sie nie ein Wort der Anerkennung erhalten hat. “Selbst als ich selber krank war, wurde ich herumkommandiert. Ich war ihr völlig egal.” Und dann, mit leiser Stimme und der Pflegerin zugewandt: “Passen Sie auf! Die ist nämlich böse!”
Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 3: Ungleichbehandlung: „Ich war immer schon das Aschenputtel …“
„…Eine andere Tochter berichtet, dass sie auf ihre Berufstätigkeit verzichtet habe, um ihre Mutter liebevoll pflegen zu können. Ihre Familie sei zusammengerückt, um Platz für die Mutter und Großmutter zu haben. „Das haben wir gerne getan. Das war irgendwie selbstverständlich für uns. Aber nun … Meine Mutter nimmt alles so selbstverständlich, niemals ein Dank, selten ein Lächeln. Aber wehe, wenn meine Schwester kommt, einmal jährlich. Dann ist große Aufregung. Dann muss ich alles vorbereiten, einkaufen, kochen, damit es meiner Schwester gut hat. Das verlangt meine Mutter mit unglaublicher Härte von mir. Sie dankt meiner Schwester überschwänglich für jede Kleinigkeit: dass sie den Tisch abräumt, überhaupt, dass sie den weiten Weg kommt usw. usw. Ich bin dann noch mehr Dienstmädchen als sonst. Meine Familie ist dann richtig sauer mit mir, dass ich das mit mir machen lasse. – Ich habe mir jetzt mal vorgenommen, meiner Schwester wenigstens zu sagen, wie es ist. Vielleicht bekomme ich wenigstens von ihr dann nicht mehr nur weiter gute Ratschläge aus der Entfernung, sondern mal ein bisschen Anerkennung für meine Leistung. Ich brauche das, sonst komme ich bald um vor Neid und Missgunst – die ich doch gar nicht haben will.“
Für eine Kultur der Gewaltlosigkeit Teil 1: Solidarität und Achtsamkeit
Menschen, die unter Aggressivität und Gewalttätigkeit leiden oder von ihr bedroht sind, brauchen Solidarität. Alleinsein produziert Hilflosigkeit und kann sie verewigen. Was heißt Solidarität mit Pflegenden? Sie muss mehr sein als eine Proklamation oder ein Satz in Leitbildern einer Einrichtung. Sie muss tätige Unterstützung beinhalten und die Atmosphäre bestimmen.
Demenz-Code Teil 2: Die zwei Zeiterleben
Wegen vieler Nachfragen veröffentlichen wir hier einzelne Elemente des „Demenz-Codes“ von Udo Baer, einem Schlüssel zum Verständnis von Menschen mit Demenz.
Es gibt die objektive Zeit, die in Sekunden, Minuten, Stunden usw. zu messen ist. Und es gibt das Zeiterleben, das subjektiv ist und je nach Individuum und Situation unterschiedlich erfahren wird. Ein Arbeitstag kann für den Einen „wie im Flug“ vergehen und für einen Anderen „quälend langsam“.
Das Zeiterleben der meisten Menschen mit Demenz ist bedeutend langsamer als das derjenigen, die sie begleiten.
Die übersehene Gewalt in den Familien Teil 2 : „Die nimmt jetzt so richtig Rache an mir …“
„Die nimmt jetzt so richtig Rache an mir“, erzählt ein pflegender Angehöriger mit leiser, zittriger Stimme, in der neben Traurigkeit auch unterdrückter Zorn mitklingt. „So empfinde ich das, glauben Sie mir!“ Die beiden Ehepartner haben sich versprochen, dass sie im Alter die Pflege füreinander, so gut sie können, übernehmen wollen. Und er lässt keinen Zweifel daran, dass er seine Frau pflegen will. Aber er leidet unter alten Beziehungsmustern mit umgekehrten Vorzeichen. Weiter lesen