Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 10: Partnerschaftliche Biographiearbeit

In der Biographiearbeit ist es nicht nötig, möglichst viele Daten und Fakten zu sammeln, sondern es kommt auf das an, was wesentlich ist, um die Beziehung zu halten oder zu stärken. Deswegen ist es wichtig und sinnvoll, dass ein Paar sich an eine partnerschaftliche Biographiearbeit begibt oder dass es diese mit den Kindern gemeinsam gestaltet.

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Agitiertheit, Teil 3: Zeiterleben und Raumorientierung

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Besonderheiten bei Menschen mit demenziellen Erkrankungen, die Agitiertheit fördern, liegen in deren verändertem Zeiterleben und der veränderten räumlichen Orientierung. Das Zeiterleben ist oft verschoben, für viele wird die Nacht zum Tag und umgekehrt. Wenn alle anderen nachts ruhen und Herr Michels um 1 Uhr beginnt, das Zimmer aufzuräumen und unruhig hin und her läuft, dann kann das nerven. Wird dann versucht, ihm zu erklären, dass es Nacht ist, oder wird er zu Ruhe ermahnt, wirkt dies in der Regel nicht. Für Herrn Michels  i s t  es Tag und er hat eine Aufgabe zu erfüllen, nämlich aufzuräumen.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 9: Ich liebe dich

 

 

Viele Menschen mit demenziellen Erkrankungen, die ihre Kinder oder ihre Partner/in lieben, haben Angst, diese Liebe nicht mehr fortsetzen zu können. Deswegen ist es gut, über diese Liebe zu sprechen. Möglichst konkret, möglichst darüber, wie sie sich konkret ausdrückt, wie sie gelebt wurde und gelebt wird. Zum Beispiel sind Fragen wichtig wie:

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Aus aktuellem Anlass: Medikamenten-Forschung: Und wieder eine Hoffnungsblase geplatzt

 

Seit Jahrzehnten wird intensiv daran geforscht, die Entwicklungsprozesse der Alzheimer-Erkrankung zu stoppen oder zu verlangsamen. Die Forschungen bezogen sich insbesondere darauf, die Verplaqungen (Beta-Amyloid-Ablagerungen), die für die Erkrankung verantwortlich gemacht werden, zu bekämpfen.

Nun musste wieder eine große Studie mit dem Medikament Aducanumab, das große Hoffnungen geweckt hatte, abgebrochen werden. Es zeigte keine Wirkung.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 8: Die Zukunft

 

 

Bei einer Demenz-Diagnose erscheint vielen Betroffenen und Angehörigen die Zukunft grau und düster. Man weiß, dass der Alltag immer schwieriger wird und dass die Krankheit fortschreiten kann. Das macht Angst. Und Angst verschließt die Augen. Umso wichtiger ist es, über die Zukunft zu reden. Wir haben schon erwähnt, dass viele Menschen Pläne und Wünsche haben, die auch mit einer demenziellen Erkrankung verwirklicht werden können. Wird darüber nicht geredet, können diese Wünsche nicht auf ihre Realisierbarkeit überprüft werden.

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Würde und Demenz, Teil 1: Gewürdigt zu werden, ist ein Menschenrecht.

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Dass alten Menschen der Würdigung bedürfen und dass die Würde in der Altenhilfe ein hohes Gut ist, wird allerorten verkündet. Doch was heißt das konkret? Was beinhaltet es, Menschen mit demenziellen Erkrankungen zu würdigen? Vier kleine Anmerkungen seien erlaubt:

1.
Menschen mit Demenz zu würdigen, bedeutet, die Betonung auf „Menschen“ zu legen und nicht auf „Demenz“. Ja, die vielfältigen Erscheinungsformen demenzieller Erkrankungen müssen erkannt, verstanden und beachtet werden. Doch die erkrankten Menschen sind nicht nur „dement“. Ihr Menschsein erschöpft sich nicht darin, sondern ist weit mehr als das. Sie lachen und glauben, sie lieben und schimpfen, sie kuscheln und sehnen sich … Sie leben vielfältige Aspekte ihres Menschseins. Manche anders als die andern, manche verstörend, manche irritierend. Sie machen Mühe, ja, auch viele andere menschliche Begegnungen bedürfen der Achtsamkeit und Mühe.

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Agitiertheit, Teil 1: Was beunruhigt unruhige alte Menschen? Was können Pflegende tun?

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Viele alte Menschen, die Sie pflegen oder anderweitig begleiten, sind unruhig. Diese Unruhe geht in ihrer Intensität über Nervosität und alltäglichen Bewegungsdrang hinaus. Die betroffenen Menschen werden deshalb als „agitiert“ bezeichnet. Dieses Agitiertsein lässt sich von den Betroffenen nicht einfach abstellen und führt dazu, dass die Betroffenen und auch deren Umgebung darunter leiden. Das betrifft Angehörige wie professionell Pflegende.

Zeigen kann sich diese Unruhe in unterschiedlicher Weise. Manche Menschen laufen auf und ab, sofern sie das noch können. Andere reden vor sich hin. Manche bewegen sich hospitalisierend vorwärts und rückwärts oder nach rechts und nach links.

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Der Diagnoseschock. Wie die Demenz-Diagnose Familienbeziehungen durcheinanderwirbelt und was dann helfen kann, Teil 6: Die Scham

 

 

Wenn jemand die Demenz-Diagnose erfährt, ist es wünschenswert, dass das Familiensystem und die Freunde und Freundinnen helfen können und dürfen. Doch oft begegnen wir genau an dieser Stelle der Scham. Die Betroffenen schämen sich, dass sie an Demenz erkrankt sind – und reden deshalb nicht darüber. Familienangehörige schämen sich ihres oder ihrer Erkrankten und vor allem schämen sich viele Menschen, hilfsbedürftig zu sein. Sich helfen zu lassen, haben sie nicht gelernt, insbesondere diejenigen, die geprägt wurden durch die Kriegs- und Nachkriegsjahre oder weil die Kinder der Kriegsgeneration sind und deren Verhaltensweisen übernommen haben. Dass man hilfsbedürftig ist, möchten viele von diesen Menschen nicht zeigen. Deswegen verweigern sie Hilfe und verschweigen ihre Erkrankung, so lange es geht, damit sie gar nicht in den Ruf der Hilfsbedürftigkeit geraten. Sie bleiben lieber hilflos, als ihre Scham zu akzeptieren und auszuhalten oder gar durch sie hindurchzugehen und zu lernen, Hilfe zu akzeptieren.

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Demenz-Code Teil 8: Die Sinnesbrücken

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Dass Sinnesäußerungen als Teil des Demenz-Codes besondere Beachtung verdienen und oft mehr zum Verständnis beitragen als verbale Äußerungen, habe ich schon beschrieben. Doch ihre Bedeutung weist darüber hinaus: Sie zeigen uns mögliche Brücken der Begegnung. Schon im am Anfang des Kapitels genannten Beispiel war die fahrig umher tastende Hand der alten Dame nicht nur ein Zugang, um zu verstehen, was die Worte für das Verständnis nicht hergaben. Sie waren ein Indiz, worüber eine Begegnung mit der Frau möglich war: Die Begleiterin ergriff ihre Hand.

Solche Einladungen gibt es viele. Wenn Frau V. den Pfleger fortwährend starr anblickt, dann ist das ein Zeichen für ihn, dass er sich so setzen oder kauern sollte, dass er Frau V. auf gleicher Augenhöhe begegnen kann. Dann schauen sich beide ein wenig länger in die Augen, zehn, zwanzig Sekunden – das reicht. Frau V. fühlt sich über diese Sinnesbrücke gesehen und sie beginnt zu lächeln. Ein persönlicher Kontakt, eine Begegnung ist entstanden.

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Auch bösartige Menschen werden alt – was tun? Teil 7: Es gibt Grenzen

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Wenn die Rohheit eines alten Menschen und seine Verachtung gegenüber Pflegenden Gewalttätigkeiten einschließlich sexueller Übergriffe hervorruft, dann bedarf es einer entschiedenen Haltung gegenüber diesen Menschen. Von Seiten der Leitenden müssen mit diesen Menschen Gespräche geführt werden, in denen nicht darüber diskutiert wird, ob das Verhalten überhaupt falsch war, sondern eindeutig vermittelt wird, dass ein solches Verhalten in dieser Einrichtung nicht geduldet wird und im Wiederholungsfall dazu führt, dass diese Menschen die Einrichtung verlassen müssen. Es gibt Einrichtungen für pflegebedürftige Täter, die dafür in Frage kommen. In ihnen werden unbelehrbare Menschen untergebracht.

Wer aus Rohheit gewalttätig wird, versteht in den meisten Fällen nur die Sprache des Drucks. Das ist bedauerlich und steht dem Selbstbild und dem Anspruch vieler Sozialarbeiter/innen und Pflegekräfte an die eigene Arbeit entgegen, doch es ist Realität.

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