Gewaltprävention in sozialen Institutionen: 6.Text: Implementierung

Ein Gewalt-Präventions- Konzept kann nicht gelebt werden, wenn es nicht Schritt für Schritt implementiert wird. Das bedeutet:

  • Das Konzept wird erarbeitet und verabschiedet.
  • Es wird Mitarbeiter/innen in kleinen Gruppen. möglichst gemischt aus den Abteilungen, vorgestellt und diskutiert.
  • Das Konzept wird auch mit externen Stellen diskutiert.
  • Neue Mitarbeiter/innen werden bei der Einstellung über das Konzept informiert.
  • Es finden jährlich Veranstaltungen und Schulungen zu dem Thema statt.
  • Das Konzept sollte lebendig wachsen, also modifiziert und fortentwickelt werden.

 

Gewaltprävention in sozialen Institutionen: 4. Text: Erste Hilfe

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Erste Hilfe meint den unmittelbaren Umgang mit einer Situation, in der Gewalt ausgeübt wird.

  • Die Mitarbeiter/innen brauchen einen Standardplan mit Ansprechpartnern.
  • Die Opfer dürfen nicht allein gelassen werden.
  • Eine Trennung von Tätern und Opfern ist unabdingbar. Jeder Täterkontakt triggert bei den Opfern das Erleben der Gewalt. Dies gilt auch für die Zweite Hilfe.
  • Beweise und Aussagen müssen festgehalten und gesichert werden.
  • Gegebenenfalls müssen Arzt und Polizei hinzugezogen werden.
  • Zeugen solltet beachtet und sich auch um sie gekümmert werden, nicht nur um Täter und Opfer.
  • Es braucht Transparenz und Offenheit.

Sind Mitarbeiter/innen von Gewaltdrohungen und Gewaltattacken betroffen, sollten sie sofort aus der Situation herausgenommen werden. Sie dürfen nicht allein gelassen werden, sondern brauchen Solidarität und Begleitung.

Gewaltprävention in sozialen Institutionen: 3.Text: Prävention

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Prävention besteht aus einem Bündel von Maßnahmen:

  • Es braucht ein Klima und eine gemeinsame Haltung: Stopp der Gewalt!
  • Gewaltdrohungen und Gewaltvorfälle müssen besprochen werden. Enttabuisierung und Transparenz müssen selbstverständlich werden.
  • Es sollten Strukturen verändert werden, die Gewalt fördern können. Angsträume müssen Schritt für Schritt abgeschafft werden, soweit und sobald sie bekannt werden.
  • Es braucht Fortbildungen zum Umgang mit und zur Prävention von Gewalt für alle Mitarbeiter/innen.
  • In allen Einrichtungen brauchen die Mitarbeiter/innen konkrete Informationen, an wen sie sich wenden können bzw. bei Gewaltvorfällen müssen.
  • Bei der Aufnahme sollten Risikofaktoren soweit wie möglich erfasst und Ausschlussereignisse definiert werden.
  • Rechtliche Rahmenbedingungen sollten bekannt sein und beachtet werden.
  • Ideen und Vorschläge von Mitarbeiter/innen sollten gesammelt und ernst genommen werden.
  • Zu jedem Gewaltvorfall braucht es eine Nachbesprechung. Nachbesprechungen sind die beste Vorbeugung. Dabei geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern darum, aus jedem Ereignis zu lernen, welche Vorwarnsignale und andere Hinweise zu beachten sind und was daraus für Schlussfolgerungen zu ziehen sind.
  • Auf allen Ebenen ist eine Eindeutigkeit in der Kommunikation notwendig, insbesondere zu allen Gewalt-relevanten Themen, damit alle wissen, woran sie sind.
  • Eine gemeinsame Haltung „Stopp der Gewalt“ oder „Keine Gewalt“ kann nur mit einer solidarischen Haltung untereinander gelebt werden.

Gewaltprävention in sozialen Institutionen: 2.Text: Die Haltung

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Jedes Gewaltpräventionskonzept beruht auf einer Haltung und diese fußt auf einem Menschenbild. Das Menschenbild sollte auf der Achtung der Würde aller Menschen gründen. Der Schutz der Würde ist ein Menschenrecht. Er gilt für alle Menschen, egal wo sie herkommen und wie sie sind. Diese Grundhaltung verpflichtet alle Mitarbeiter/innen und Bewohner/innen oder andere Klient/innen, sich gegen Gewalt zu wenden und ihr vorzubeugen. Gewalt entwürdigt.

Unter Gewalt wird die Anwendung von physischen und seelischen Mitteln verstanden, um Handlungen oder Unterlassungen anderer Menschen gegen ihren Willen zu erzwingen, sofern sie nicht der Notwehr und Schutzbedürfnissen entspringen. Gewalt seitens der Mitarbeiter/innen ist ebenso unzulässig wie Gewalt gegen Mitarbeiter/innen und gegen andere Menschen, die in der Einrichtung betreut werden.

Viele Einrichtungen sind in Bereichen tätig, in denen Bewohner/innen oder andere Klient/innen selbst Gewalt erfahren haben und in einem Milieu lebten, das von Gewalt geprägt wurde. Deswegen braucht es besonderer Aufmerksamkeit und Sensibilität gegenüber Gewalt und besondere Bemühungen zur Prävention. Diese muss von allen gelebt werden.

Es darf hinsichtlich Gewalttätigkeiten und Ansätzen zur Gewalt kein Schweigen und keine Tabus geben. Niemand darf mit Gewalterfahrungen allein gelassen werden, jede und jeder braucht Schutz und Unterstützung.

Die Trauer der Angehörigen

Frau G. pflegte ihre demenziell erkrankte Mutter. Die Demenz schritt fort und Frau G. erzählte, dass sie immer trauriger würde: „Immer öfter muss ich weinen. Immer öfter bekomme ich richtige Schübe von Traurigkeit. Ich weiß gar nicht so richtig, warum.“
Wir unterhielten uns über die Beziehung zu ihrer Mutter. Sie erzählte, dass sie sie gerne hatte und vieles von ihrer Mutter ihr vertraut war, und dass doch auch Veränderungen immer sichtbarer würden. Das war es, was sie traurig machte.
Eine andere Frau, bei deren Mann die Demenz schon weit fortgeschritten war, sagte: „Das ist noch mein Mann – und das ist er nicht mehr. Ich komme mir vor, als wäre er gestorben. Und dabei lebt er noch.“

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Damit die Liebe bleibt

Ein Ehepaar hatte große Angst, weil die Ehefrau die Diagnose Alzheimer-Demenz bekommen hatte. Ich frage sie, wovor sie denn konkret Angst hätten. Denn es hilft immer, die Angst möglichst zu konkretisieren, um sich mit ihr auseinandersetzen zu können. Nach einigem Hin und Her stellte sich heraus, dass beide vor allem Angst hatten, dass die Frau ihren geliebten Partner nicht mehr erkenne und damit die, wie sie sagte, „Liebe ihres Lebens“. Und der Partner fürchtete sich davor, dass seine Frau ihn irgendwann nicht mehr erkennen könne und er ihr fremd würde.

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„Tulpen aus Amsterdam“

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Ein Mann rief mich an und bat um meine Unterstützung. Seine Frau ist demenziell erkrankt. Er erzählte: „Als ich letztens noch etwas länger Champions League geschaut habe und danach ins Schlafzimmer kam, wo meine Frau schon war, bekam sie furchtbare Angst. Sie erkannte mich nicht, sondern meinte, ich sei ein fremder Mann. Sie schimpfte, ich solle sofort die Wohnung und das Haus verlassen. Ich war völlig durcheinander.“ Ich fragte ihn, was er denn gemacht habe, und er antwortete: „Ich habe ihr meinen Ausweis gezeigt mit einem Foto und meinem Namen und wollte so nachweisen, dass ich ihr Mann bin. Aber das hat nicht geklappt.“

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„Dürfen“ Angehörige wütend sein?

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Frau M. hat die Küche geputzt. Sie lässt ihren demenzkranken Mann einen Moment allein, weil sie Kartoffeln aus dem Keller holt. Bei ihrer Rückkehr stellt sie fest, dass dieser in die Küche uriniert hat. Er hat wieder einmal das Badezimmer nicht gefunden. Frau M. ist sauer und schimpft vor sich hin: „Muss das denn sein?!“ Einen Moment überlegt sie, ob ihr Mann das extra gemacht hat, um sie zu ärgern. Doch dann denkt sie, dass es Ausdruck seiner Erkrankung ist. Sie nimmt sich zurück, um nicht mit ihm zu schimpfen, aber trotzdem bleibt etwas von der Wut und dem Ärger. Sie denkt: Er ist doch krank, da darf ich doch nicht wütend sein.

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Überforderung

Angehörige, die demenziell erkrankte Menschen pflegen und begleiten, sind sehr oft überfordert. Zumindest kommen sie an die Grenzen zur Überforderung und überschreiten sie häufig. Es ist dies ein schleichender Prozess. Am Anfang gelingt die Pflege oft, dann wird sie schwieriger und irgendwann wird es zu viel. Aber die Liebe und die Kraft, die Versprechen, die man gegeben hat, führen häufig dazu, dass diese Grenzen nicht ernst genommen werden.

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„Ich habe meine Mutter verraten“

This entry is part 7 of 8 in the series Angehörigenarbeit

 

 

 

In einem Beratungsgespräch beginnt eine Frau bitterlich zu weinen. Sie sagt: „Meine Mutter ist dement und ich habe ihr versprochen, dass sie immer bei mir bleiben kann. Ich habe sie jetzt acht Jahre gepflegt, aber irgendwie geht es jetzt nicht mehr. Sie musste ins Heim. Ich habe mein Versprechen gebrochen. Jetzt schaut sie mich immer, wenn ich sie besuche, sehr vorwurfsvoll an. Sie spricht kaum noch mit mir …“

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