Angehörigenarbeit Teil 2: Schuld, Liebe, Hass….-erkennen

Beginnen wir mit dem ersten Beispiel. In vielen Eltern-Kind- und manchmal auch Partnerschaftsbeziehungen existieren ungelöste, unausgesprochene und unbewältigte Konflikte. Wenn eine Tochter sexuelle Gewalt erfahren hat und der Vater nun im Altenheim ist, sind keine innigen Beziehungen zu erwarten. Wenn jemand in seiner Kindheit oft geschlagen wurde oder auch später missachtet oder verachtet wurde, wie soll da Würdigung und Liebe im Alter entstehen?

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Angehörigenarbeit Teil 1: Das Problem

Angehörigenarbeit ist ein notwendiger integraler Bestandteil der Altenhilfe. Offene Altenarbeit erfolgt fast nur, indem Angehörige ihre Eltern oder Partner/innen zu Aktivitäten der offenen Altenarbeit begleiten. In der Tagespflege  und in stationären Einrichtungen werden Pflegende täglich mit Angehörigen konfrontiert. Die Angehörigenarbeit ist in den meisten Einrichtungen Aufgabe der sozialen Dienste. Angehörigenarbeit ist notwendig. Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste Grund besteht darin, dass Angehörige Kunden sind und die Beiträge für die Pflege und Unterbringung ganz oder teilweise aufwenden. Der zweite Grund besteht darin, dass die zu pflegenden Menschen auch oft die Nähe und Begleitung Angehöriger angewiesen sind. Die Angehörigen mit einzubeziehen und sich um sie zu kümmern, ist daher ein soziales und ethisches Anliegen. Der dritte Grund besteht darin, dass der Kontakt mit Angehörigen für Mitarbeiter/innen der Altenhilfe oft sehr große Probleme aufwirft. Diese gilt es genauer zu betrachten.

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Die Triangel

Manchmal sind unmittelbare Ich-Du-Begegnungen mit alten Menschen schwierig.

Ein Beispiel:

Die Sozialpädagogin Frau M. mag Erna F. und doch „kommt sie nicht an sie heran“. Sie sagt: „Immer wenn mich Frau F. sieht, flackert etwas in ihr auf und dann wird ihr Blick ganz leer und sie schaut mich nicht mehr an oder sie schaut mich an und dahinter läuft ein anderer Film. Ich weiß nicht, was ich machen soll.“ Vermutlich ist irgendetwas an der Sozialpädagogin, das Erna F. an eine andere Person erinnert, irgendein Trigger, vielleicht das Lächeln, vielleicht die Augen, vielleicht die Haarfarbe, vielleicht ein Klang in der Stimme, etwas, was die Kollegin nicht verändern kann. Dieser Auslöser führt zu einer Übertragung oder wird ein Trigger zu einem bestimmten Krisen- oder Belastungserleben, das bei Erna F. dazu führt, dass sie sich aus dem Kontakt zurückzieht. Frau M. ist hilflos.

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Fach-Professionalität und Herz-Professionalität aus dem Buch „Edition Alter und Würde“ Band 1: SMEI – Sensomotorische erlebenszentrierte Interaktion

Die Haltung, die allen SMEI-Methoden zugrunde liegt, ist professionell. Doch darunter ist mehr als das Umsetzen gelernten Wissens und das Handhaben erworbener Kompetenzen zu verstehen. Wir unterscheiden zwischen zwei Hauptaspekten der Professionalität:

Betrachten wir ein Beispiel. Der Altenpfleger Stefan H. bekommt mit, wie eine alte Frau im Heim eine Altenpflegeschülerin wüst beschimpft und nach ihr schlägt. Seine Kollegin ist wie erstarrt und regt sich nicht. Stefan H. geht dazwischen und sagt der alten Frau: „Stopp! Schlagen Sie nicht nach meiner Kollegin. Das ist nicht in Ordnung und das will ich nicht.“ Die alte Frau, die dement ist, reagiert darauf und hört auf zu schimpfen und zu schlagen. Ja, sie schaut ein wenig erschrocken und schuldbewusst, was sie da getan hat, eine Reaktion, der wir in solchen Situationen oft bei Menschen mit Demenz begegnen.

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NEU! „Edition Alter und Würde“ Band 1: SMEI – Sensomotorische erlebenszentrierte Interaktion – Grundlagen und Hauptmethoden

„Edition Alter und Würde“ Band 1: SMEI – Sensomotorische erlebenszentrierte Interaktion – Grundlagen und Hauptmethoden

SMEI ist ein Verfahren therapeutischer, pflegerischer und stärkend begleitender Hilfen für alte Menschen, das auf praktischen Erfahrungen seit den 80er Jahren beruht. Es wurde 2007 von Dr. Udo Baer in einer wissenschaftlichen Studie über die Innenwelten demenzkranker Menschen fundiert und erweitert. Genutzt wird es vor allem für Menschen mit demenziellen Erkrankungen. Es ist aber auch nutzbar und sinnvoll für andere ältere Menschen, die z. B. an körperlichen Gebrechen, Altersdepression oder Folgen von Kriegstraumata leiden.

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Was mache ich, wenn … ein alter Mensch sehr erregt ist?

Zunächst einmal ist es notwendig, an die Erregung „anzudocken“ und nicht sofort beruhigen zu wollen. Wenn ein alter Mensch sehr unruhig hin- und herläuft, dann gehen Sie mit. Wenn er vor sich hinredet, reden Sie mit ihm. Versuchen Sie, ihn in seiner Erregung zu erreichen. Das verstehen wir unter Andocken. Wenn sie den Kontakt hergestellt haben, wird sich etwas verändern, zumindest können Sie dann den alten Mann oder die alte Frau in ein Gespräch verwickeln und darüber beruhigen. Weiter lesen

FRAGEN VON ANGEHÖRIGEN Teil 6 : „Für meine Eltern gilt der Leitsatz: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Doch obwohl sie es sich leisten könnten, gönnen sich auch im Alter nichts. Das Vergnügen kommt in ihrem Leben zu kurz, finde ich. Wenn ich das anspreche und sie mal einladen will, höre ich nur: „Das verstehst du nicht.“ Was kann ich tun?“

*zuerst erschienen in einem Sondernewsletter des Verbundprojektes „Alter und Trauma – Unerhörtem Raum geben“

Wir vermuten, dass Sie da wenig tun können. Solche Verhaltensweisen, ja Lebenseinstellungen haben sich bei manchen alten Menschen in den Charakter so sehr eingeschrieben, dass im Alter nur noch selten Veränderungen möglich sind. Wenn die Eltern ihre Jugend in Krieg und Not erlebt haben, gab es sehr wahrscheinlich kein Vergnügen und daraus haben sie ihre Lebenseinstellung gemacht. Verständlich und schade. Weiter lesen

Was mache ich, wenn … alte Menschen in Gesprächsrunden die Kriegsjahre und das damit verbundene Leid verharmlosen, z. B. „war doch alles nicht so schlimm, damals hatte alles noch seine Ordnung“ oder „unter Adolf wäre das nicht passiert“. Während andere Menschen am Tisch in Tränen ausbrechen, weil sie an ihr Leid erinnert werden?

Hier treffen Menschen mit Täterverhalten auf Opfer. Manche dieser Menschen sind über Argumente erreichbar, die meisten nicht. Hier hilf nur, klar Position zu beziehen: Solche Sprüche sind falsch und hier verboten! Dabei müssen alle Pflegende am gleichen Strang ziehen. Weiter lesen